Velo-Huus Langenbruck

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Sommerferien: 26. August - 14. September

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Reisenlive
     
In dieser Rubrik werden verschiedene Ferienreisen beschrieben.

Å Trotti-Reise nach Locarno

     
     
     
  Verzeichnis
 
     
1. Trotti-Reise    Romanshorn - Brienz    
2. Trotti-Reise    Langenbruck - Locarno    
3. Fahrradreise  Schweiz - Russland    
4. Puls-Kontrolle als kleine Trainingshilfe    

 

 

 
Irene Meyer vom Velo-Huus verfügt über viel Erfahrung im Verreisen mit wenig Gepäck. Nachfolgend ein kurzer Reisebericht über ihre Trottiferien.
 

Links  Simone Bohner, rechts Irene Meyer  (Velo-Huus)

  Trottifahrt von Romanshorn nach Brienz Eigentlich hätte Simone Bohner und Irene Meyer diese 5-Seen-Reise gerne zu Fuss absolviert, aber dafür reichte die Zeit nicht aus. So entschieden sie sich für Sidewalkin oder schlicht für’s Trotti. Die Mini-Trottis wurden mit Packtaschen, Rückspiegel und Flaschenhalter ausgerüstet. Das grosse Gepäck kam in die Rucksäcke.  Am 02. August 2003 wurde in Romanshorn gestartet. Während 11 Tagen, resp. 300 Kilometern führte die Reise vom Bodensee entlang der Route 5 zum Bielersee. Weiter auf Route 8 zum Wohler-, Thuner- und Brienzersee. Es gab mühsame Strecken entlang von Autobahnen, lange Fussmärsche über Schotterstrassen, kühle Abfahrten im Wald und viele erholsame Stunden entlang der Seen und Flüsse! Fazit: So bald als möglich wieder auf Tour! Die beiden wurden öfters gefragt, was am Trottifahren so toll sei? Nun, diese Art der Fortbewegung ist eine wunderbare Kombination aus Wandern bergauf, ausruhen auf dem Trittbrett bergab und entspanntes gleiten im Flachen. Eine weitere Frage war, ob die Hüft- und Beinbelastung nicht zu gross sei? Dank dem regelmässigen Beinwechsel auf dem Brett gab es weder Hüft- noch grosse Beinschmerzen. Zumal gewisse Passagen zu Fuss absolviert werden mussten,  was für Abwechslung sorgte. Zugegeben, die Beine waren in der Schlussetappe schon etwas schwer. Was jedoch wirklich Probleme machte war die grosse Hitze. Die Tagesetappen (max. 50 km) wurden deshalb zwischen 06.30 Uhr und 12.00 Uhr zurückgelegt. Die restliche Zeit musste im Hotelzimmer oder am See abgewartet werden, denn mit 35° C war es einfach zu heiss für sonstige Aktivitäten.  In diesen 11 Tagen sahen die beiden Frauen ein buntes Spektrum der Schweiz: Grosse Obstplantagen in Mostindien, Flughafenatmosphäre in Zürich-Kloten, Stadt- und Industriegebiete, weite Flusslandschaften, sanfte Wald- und Hügelketten, schöne Rebbaugebiete und ein wunderbares Alpenpanorama am Thuner- und Brienzersee. Wer noch mehr über  Sidewalkin wissen möchte, kann sich in der Frauenwerkstatt Velo-Huus Langenbruck melden.   

 

 

 
Eine weitere Reise, diesmal jedoch über den Gotthardpass!
 

Links  Irene Meyer (Velo-Huus), rechts Simone Bohner

  Trottifahrt von Langenbruck nach Locarno Sidewalkin oder schlicht Trottifahren heisst ein grosses Hobby von Simone Bohner und Irene Meyer (Velo-Huus Langenbruck). 2004 ging die Reise vom Bodensee quer durch die Schweiz bis nach Brienz. In diesem Sommer nahmen sich die beiden Frauen die Nord-Südachse vor. Am 05. August 2004 wurde in Langenbruck gestartet. Während 8 Tagen, resp. 300 Kilometern auf der Route 3 führte die Reise durch das schöne Suhrental zum Sempachersee und weiter über Land zum Vierwaldstädtersee. Um die gefährliche Axenstrasse zu umgehen, wurde die Strecke Beckenried-Bauen mit dem Schiff zurückgelegt. Von dort fuhren sie entlang dem  „Weg der Schweiz“ bis Flüelen. Bis jetzt war die zurückgelegte Strecke mehrheitlich flach. Ab Erstfeld ging es dann jedoch stetig bergauf. Die Tagesetappen wurden kürzer, denn laufen war angesagt. In Hospenthal, der letzten Station vor dem Pass, wurden die Trottis nochmals gecheckt und warme Fleecejacken und Handschuhe  bereitgelegt. „Am Dienstag, 10. August sind wir um 06.45 Uhr in Richtung Gotthard Hospiz gestartet. Der Himmel war bedeckt und wir mussten während 2 1/2 Stunden im starken Gegenwind laufen. Auch wurde der Nebel auf dem Pass immer dichter. Es waren lange 9 Kilometer bis zum Ziel, dem „San Gottardo“ auf 2091 Metern! Um so grösser war die Freude, als wir es geschafft hatten. Nach einer kurzen Erholungspause starteten wir zur 30 Kilometer langen Abfahrt – das Highlight für jeden Trottifahrer – bis nach Faido.“ Die Wolken auf dem Gotthard hatten den Wetterumschlag bereits angekündigt. Die nächste Tagesetappe (47 Km) bis nach Bellinzona musste im Dauerregen zurückgelegt werden. Mit etwas schweren Beinen, aber überglücklich erreichten sie am 12. August das schöne Locarno. Die Reise war voller Gegensätze: ruhige Flusslandschaften, wunderschöne Seen, verschneite Gebirgsketten, Palmen im Tessin, aber auch tagelange Fahrten entlang von Auto- und Eisenbahnlinien! Die beiden Frauen sind bereits wieder am Planen einer neuen Reise. Ob diese im nächsten Sommer stattfinden wird ist noch unklar, denn sie möchten auch ihr zweites Hobby einmal ausgiebig ausleben: das Goldwaschen. Wer mehr wissen möchte über die Sportart Sidewalkin, kann sich in der Frauenwerkstatt Velo-Huus Langenbruck (www.velo-huus.ch) melden.

 

 

 
Irene Meyer kam auf die Idee, dass sich von ihrer Kundschaft vielleicht die einen oder anderen für eine solche Veloreise interessieren könnten. Sei es einfach aus Interesse, um ein bisschen zu träumen oder als Vorbereitung auf eine eigene grosse Tour. Für mich ist es ein Vergnügen von meiner Reise zu berichten. Gleichzeitig habe ich aber noch eine eigene Homepage, auf der ihr ausser den Berichten noch Fotos anschauen könnt. Der Link dazu ist: http://barbara-russlandreise.blogspot.com/
 
Ich heisse Barbara Schaub (Bild rechts) und komme aus einem mittelgrossen Dorf im Baselbiet. 2004 schloss ich das Lehrerseminar ab und arbeitete 3 Jahre an einer Schule im Schwarzbubenland (SO).
Letzten Sommer unternahm ich mit meiner Mutter die erste längere Velotour nach Budapest, danach flog ich für 4 Monate nach Russland. Dort ging ich zur Schule, um die Sprache zu lernen und machte zwei Praktika. Eines in einer Primarschule (ich unterrichtete Deutsch) und eines im Zoo (Mäuseabteilung). Es war eine geniale Zeit und hat meine Neugierde auf dieses Land noch verstärkt.
Übers Internet suchte ich einen Reisepartner oder eine Reisepartnerin. Nachdem ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, meldete sich Erika (Bild links). Nach einem Abend war bereits klar, wir gehen zusammen auf Tour. Nun bin ich gespannt auf eine lange und abenteuerliche Reise nach und durch Russland...

 

Start: 2. Mai 08 ð
Buochs Luzern
Chur Scoul Innsbruck
Wasserburg Passau
Budweis Tschechien
Brno Tschechien
Polen
Vilnius Litauen
Riga Lettland
Tallinn Estland
Moskau Russland
Goldener Ring
St. Peterburg Irkutsk Sibirien
Baikalsee
Ulan Ude
Flughafen ZH

   

 

Datum Kapitel Gegend
21. April Reisevorbereitungen Baselbiet
03. Mai Mein Traum beginnt Buochs
10. Mai Von fliegenden Hunden, fliegenden Erikas und fliegenden ID´s Kufstein
13. Mai Bald wirds ernst... Passau
17. Mai Jegliches Zeitgefühl verloren Tschechien

22. Mai

Regen im Gesicht

Tschechien

28. Mai

Fremdes Land, fremde Leute

Tschechien / Polen

04. Juni Tage in Krakau Polen
05. Juni Die Masuren Polen
10. Juni Stell dich drauf ein - dich auf nichts einzustellen... Lettland
20. Juni Gastfreundschaft hoch zehn!!! Lettland
23. Juni Von Muhuanerinnen und verschollenen Holländern Estland
28. Juni Und plötzlich geht's Schlag auf Schlag Estland
29. Juni Abenteuerliche Zugfahrt Russland
Juli Petersburg und Moskau Russland
Juli Der goldene Ring Russland
Juli Düfte wie im Buch "Parfüm" Russland
Juli Traumfahrt nach Sibirien Sibirien
August Sibirische Taiga und Steppe Sibirien / Baikalsee
August Die andere Seite von Russland Baikalsee
Ende August Ueberlistet... Baikalsee
02. September Danke Baikal! Baikalsee
25. September Zurück in der Schweiz Moskau - Schweiz

 

21. April 08

 Reisevorbereitungen    
Kaum zu fassen, noch knappe zwei Wochen bis zum Aufbruch auf eine lange, ungewisse Reise. Noch tausend Dinge zu erledigen, noch so viele Fragen... wie soll ich realisieren können, dass ich bald für fast fünf Monate alles hinter mir lasse??? Losziehen mit einer jungen Frau, die ich im Grunde kaum kenne. Spannend ist es, ganz klar! Freue ich mich? In bestimmten Momenten, besonders beim Planen, doch dazu mischt sich immer auch der Schmerz des Zurücklassen müssen. Vor dem Abschied graut mir... 

Vorbereitet bin ich eigentlich optimal. Ich besuchte einen Selbstverteidigungskurs mit Einbezug des Pfeffersprays, las Reiseführer von mehreren Ländern, habe alle Zähne flicken lassen, war 4 Monate in Russland um die Sprache zu lernen und ganz wichtig, ich habe gelernt mein Velo zu flicken. Irene Meyer (Velohuus Langenbruck) hat mich dafür unter ihre Fittiche genommen und mir das Wichtigste an drei Morgen erklärt und mich üben lassen. Nochmals herzlichen Dank, Irene!!!

 

03. Mai 2008

 Mein Traum beginnt...     Çnach oben    
 
Gerade war ich noch zu Hause, war voll drin in meinem Leben. Gemütlich, schön, einfach, mit Mikrowelle und Waschmaschine, Auto vor dem Haus und, und, und... Der Abschied war schwer und ich begriff mich selber nicht, weshalb ich mir das antue und trotzdem... Natürlich ist das Planen und Träumen im Vorfeld einfach, doch plötzlich geht’s zu schnell, Zweifel, Ängste... das Loslassen ist schwer doch das Nomadenleben ruft. Viele träumen ein Leben lang, so eine Schulkollegin die schon seit der Primarschule davon spricht nach Australien zu fliegen. Sie besitzt Bücher, Bilder... und sie träumt noch immer. Nun gut, ich bin nun einmal gestartet meinen Traum zu verwirklichen... ob ich danach glücklicher bin? Wir werden sehen...

Los fuhr ich am 2. Mai 2008. In Begleitung meiner Mutter machten wir noch einen Abstecher zu guten Freunden, von denen ich mich unbedingt noch verabschieden wollte, danach kam bereits der erste Pass (der untere Hauenstein). Bereits in Trimbach gab’s den ersten Halt. Ich musste für vorne grössere Taschen kaufen, es war einfach alles zu eng.

Nun mussten wir kräftig strampeln, denn wir sollten um 16.00 in Luzern sein, wo ich meine Reisepartnerin (Erika) treffen wollte. Danach ging’s ans erste Etappenziel nach Buochs auf den Campingplatz. Meine Eltern und zwei Freunde haben dort einen Wohnwagen und so traf sich nochmals die ganze Familie zu einem Abschiedsessen. Sabine und Edith, vielen Dank fürs Kochen!!!

Am nächsten Morgen fuhren Erika und ich alleine weiter. Allerdings legten wir den ersten Teil bis Flüehlen mit dem Schiff zurück. Ein sanfter Einstieg doch umso happiger ging’s weiter. Die Strecke bis Flüehlen brachte uns mit dem vielen Gepäck recht ins Schwitzen... Da der Oberalppass noch geschlossen ist (puuuuh), mussten wir den Zug nehmen... Nach 20.00 trafen wir auf einem Zeltplatz in Trun ein und kochten bereits im Halbdunkeln ein Festessen (Safranrissotto und Cervelats). Am nächsten Tag sollte es ja locker runter nach Chur gehen, doch wir sollten eines Besseren belehrt werden...

Richtung Graubünden...

Tja, die Hauptstrasse nach Chur ginge tatsächlich immer schön runter, doch wir folgten dem Veloweg 2, der oft über unbefestigte Strassen führte und uns nicht wenige Höhenmeter und einige echt knackige Steigungen bescherte. Eine war echt zuviel... die Steigung war so steil, dass ich es nicht bis oben schaffte und mein Versuch, das Fahrrad hochzuschieben, misslang kläglich... Verloren hing ich am Hang, bis Erika mir zu Hilfe kam (leider sind alle Muskeln in meinen „Wädli“, so dass nichts mehr für meine Arme übrig bleibt...). Trotzdem, die Strecke lohnte sich, traumhaft, sehr empfehlenswert... Später als geplant kamen wir in Chur an, wo wir nach einem Panini caldo von Erikas Freundin Sereina mit einem besonders leckeren Eiskaffee verwöhnt wurden. Vielen Dank für die geduldige Beherbergung (die Müdigkeit liess mich erstummen und Erika zu einer kichernden Schwatzbase werden). Nun gehen wir noch auf ein Bier in die Stadt und geniessen den Abend, morgen steht uns wiederum eine harte Etappe bevor.

 
 

10. Mai 2008

 Von fliegenden Hunden, fliegenden Erikas und fliegenden ID´s    
 
Auf meiner Reise kann mir ja wirklich nichts mehr passieren. Ich besitze Pfefferspray, Dolch und ganz wichtig… einen fliegenden Schutzengelhund. Schon von verschiedenen Seiten wurde dieser kleine Kerl mit der Punkfrisur und den silbrigen Flügelchen belächelt, doch während Erika das Fliegen jeweils selber übernimmt (und zwar nicht gerade sanft), lotst mich mein Schutzengelhund an fiesen Pfosten mitten im Weg sicher vorbei… Rückspiegel haben aber auch wirklich etwas heimtückisches an sich, denn genau als Erika voller Freude in diesen hineinsah und feststellte, dass er echt funktioniert, machte sie einen Überschlag. Zum Glück ging alles glimpflich aus (übrigens Clizia, das geschah etwa 3 Minuten nachdem du uns verlassen hattest).

Unsere Reise führte uns von Chur aus noch über einige kleinere Hindernisse (Berge) ins Engadin. Hier trafen wir doch tatsächlich noch auf Schnee und mussten ab und zu sogar unsere Räder schieben. Obwohl die Strecke unerwartet anstrengend war, (der Inn scheint mal rauf, mal runter zu fliessen), konnte Erika nicht entmutigt werden. Kaum war sie wieder keuchend oben angelangt, schwärmte sie bereits wieder strahlend von der „Glatscheria“ in Scuol. Ich hätte schon fast eine „Strichliste“ führen sollen: Wie oft kam heute das Wort „Glatscheria“ vor. Der Tag war gerettet, als diese dann auch wirklich offen hatte… (meine grösste heimliche Sorge). Begleitet wurden wir von Chur bis anfangs Österreich von Clizia, einer aufgestellten Churerin, die im letzten Jahr ebenfalls eine Woche durch Russland, einige Wochen durch die Mongolei und anschliessend noch durch China gefahren war. Wir liessen sie beide nur ungern abreisen.

Vor Österreich hatten wir allerdings noch ein kleineres Problem. Erikas ID fehlte. Alles wurde ausgepackt, alle Winkel durchsucht, Täschchen in Täschchen, in Täschchen… und doch keine Spur… Ein Anruf zu Hause brachte Klarheit. Sie musste aus dem Stapel mit wichtigen Dokumenten herausgerutscht sein und lag unter einem Stuhl. Eine Notübergangsberechtigung wurde gelöst und die ID nach Kufstein nachgeschickt. Nun haben wir alles zusammen, so dass es morgen nach Deutschland weitergehen kann (ich freue mich schon sehr auf die bayrischen Bäckereien). Überhaupt ernähren wir uns sehr gut, kaufen Fleisch und Gemüse und bruzeln uns stets etwas leckeres. Heute geniessen wir einen Velofreien Tag in Kufstein, morgen geht’s weiter nach Deutschland.

 
 

13. Mai 2008

 Bald wirds ernst...     Çnach oben  
Bisher wars ja wirklich "schoggi"... immer fand man einen Camping oder eine Herberge, konnte schon am Morgen auf der Karte schauen, wo man am Abend übernachten könnte...Doch bald stechen wir nach Tschechien rauf, wenn auch noch nicht ganz klar ist wo. Anscheinend steht zwischen Passau und Tschechien so ein blöder Berg im Wege... Gestern übernachteten wir auf einem Camping in Braunau, das war echt der Hammer. Wir wurden schon überaus freundlich empfangen und als wir gerade alles aufgestellt hatten und in die Stadt wollten, wurden wir eingeladen zum Buffet-leer-essen... anscheinend war vor uns eine Gruppe da, die ein Buffet bestellt hatte. Wow, war das lecker!!! Wir füllten unsere Teller mit Knödeln, viel Fleisch, Teigwaren... ein Traum. Dazu gabs einen viertel Weisswein woraus drei wurden, da der Chef überaus spendierfreudig war, alles ablehnen half nichts. Dazu gabs gratis Schauermärchen über Tschechien... abgeschreckt wurden wir trotzdem nicht, im Gegenteil, wir brennen darauf nach Tschechien zu kommen und uns davon zu überzeugen, dass dort eben auch nur Menschen leben.

Zwischendurch, wenn wir schon eine Weile unterwegs sind werden die Stöpsel montiert und wir hören Musik. Meine Schwester Sabine hat mir ein solch kleines Ding mit über 400 Liedern zum Abschied mitgegeben. Nochmals vielen Dank!!! Es ist einfach genial wenn man auf einer geraden Strecke fährt und dazu gute Musik hört.

Am Inn entlang...

Das Gefühl ist kaum zu beschreiben, aber man kommt wie in eine Art Trance, spürt nichts mehr, nimmt Steigungen mit links und fährt und fährt, ein Gefühl als könnte man ewig so weitertreten. Das Fahrrad, die Musik, rechts der Fluss und der Wind...

Die letzten Tage waren landschaftsmässig wieder wunderschön und abwechslungsreich. Wir fuhren immer wieder durch Auwälder, über Wiesen und Felder an wunderschönen Bauernhäusern und unglaublich gepflegten Gärten vorbei. Erika badete sogar schon in einem See und konnte es fast nicht begreifen, warum ich mir das entgehen liess... aber Mami weiss, ohne mindestens zwei Irishcoffees intus geht bei mir gar nichts : ) Auf unserer Reise werden wir extrem oft auf unser Gepäck und unser Vorhaben angesprochen. Mittlerweile ist unsere Antwort auf die Frage nach dem Ziel meistens nur noch "Richtung Osten", da "Moskau" immer eine riesige Sache auslöst und man kaum noch weg kommt vor lauter Fragen. Die Reaktionen der Leute sind auch sehr unterschiedlich. Einige reagieren mit einem Kopfschütteln, andere interessieren sich sehr, können sich aber so was nicht vorstellen und bei wieder anderen spürt man eine gewisse Sehnsucht... Immer wieder treffen wir Leute, die auf dem Jakobsweg nach Santiago di Campostella fahren, diesen Weg schon gefahren sind oder es noch vorhaben. Sabina, das wär doch was mit dem Fahrrad, zu Fuss mit dem schweren Rucksack sieht es viel zu anstrengend aus : ) Brno in Tschechien ist unser nächstes grösseres Ziel. Wie lange wir wohl dafür brauchen werden? Ich bin gespannt auf Andrea, von der ich schon sehr viel gehört habe und die wir dort besuchen werden.

17. Mai 2008

 Jegliches Zeitgefühl verloren     Çnach oben   
 
Sind es nun zwei oder drei Tage, seit wir bei Heidemühle erwartungsvoll über die tschechische Grenze rollten... ist heute Donnerstag, Freitag... oder doch erst Mittwoch... Egal, solche Fragen haben höchstens eine gewisse Bedeutung, wenn es ums Einkaufen geht - dann ist es wichtig ob Freitag oder Samstag ist, denn die Läden schliessen Samstags schon um 12 Uhr. Das mussten wir auch heute wieder mal merken... (Nun gibts halt Currygeschnetzeltes ohne das Geschnetzelte : ( Zwei Wochen sind wir nun schon unterwegs, doch durch die vielen Eindrücke und Begegnungen kommt es mir vor, als sei es schon eine Ewigkeit her, seit wir losfuhren. Und im Tirol, in Bayern, (natürlich auch schon in der Schweiz) dachte ich immer wieder, diese Landschaft kann in ihrer Schönheit nun wirklich nicht mehr übertroffen werden, doch Tag für Tag werden wir aufs Neue in Staunen und Begeisterung versetzt.

 Mein Handy verbindet mich mit dem Leben zu Hause, was ich sehr geniesse und auch brauche, denn obwohl man so viel erlebt, packt mich doch immer wieder die "Langezeit".. Erika ist da anders, sie hat ihres nach Hause geschickt und verzichtet auch konsequent auf das Benutzen meines Telefons, obwohl ich es ihr mehrfach angeboten habe. Aber nun endlich zu Tschechien - meine lieben Herren vom Braunauer Zeltplatz, wo bitte seid ihr durchgefahren, wo war es so schlimm wie ihr geschildert habt??? Welche Überraschung, lauter beschilderte Fahrradwege, Strassen wie Babyhaut über die man geradezu fliegt... Auch wenn man nicht auf markierten Velorouten fährt sind die Nebenstrassen eine sehr gute Alternative. Wenig Verkehr und schnelles Vorwärtskommen auf den guten Strassen. Die relativ kurze Begegnung mit einer Hauptstrasse war allerdings die Härte. Kommt dir ein Lastwagen entgegen, jagt dich dessen Fahrtwind fast von den Rädern, doch zum Glück können wir solchen Routen meist aus dem Weg gehen. Zwei Städtchen haben wir bisher besichtigt, Česky Krumlov (Krumnau) und Trebon. Eines schöner als das andere... Durch den Krieg und die darauf folgende Armut wurde das Bauen modernerer Gebäude verhindert, was sich die Leute nun zu Nutzen gemacht haben. Das schöne und gemütliche Stadtbild zieht viele Touristen an. Allgemein hat es viele Fahrradtouristen, Deutsche und Tschechen. Gewöhnlich werden die Velos aber auf die Autos oder in die Camper geladen und Tagesausflüge gemacht. Heute genoss ich den velofreien Tag in Trebon, plegerte rum, schrieb Karten und liess mich in einem gemütlichen Strassenkaffee von der Sonne bescheinen.. was will man mehr? (Nun gut, etwas wüsste ich schon.

 
 

22. Mai 2008

 
Seit wir am Sonntagmorgen aus Třebon losgefahren sind hat der Wetterumschwung ernst gemacht. Zuvor waren es bloss Neckereien gewesen, mal ein Gewitter, mal ein Schauer in der Nacht... Der Regen setzte in der Nacht auf den Sonntag ein. Bei Einbruch des Morgens versuchten wir krampfhaft, das tropfende Geräusch auf dem Zeltdach zu ignorieren, drehten uns, ich versuchte mir selber vorzumachen, noch tief und fest zu schlafen... Doch irgendwann war klar, es nimmt kein Ende, wir mussten aufstehen. Na prima, ich hatte am Abend versäumt eine der Velotaschen zu schliessen. Alles wurde im Waschraum ausgebreitet, getrocknet, Erika kochte unter einem schützenden Unterstand Kaffee. Nach einem ausgedehnten Frühstück (in der Hoffnung der Regen lasse nach) packten wir zusammen und radelten los.
  Dem starken Regen hielt weder meine Fr. 300.- Gore-Tex Jacke und schon gar nicht meine 15 Jahre alte Regenhose stand, doch das spielte keine Rolle solange man in Bewegung war. Regen und Wind im Gesicht, schwerhängende Wolken und wir traten kräftig in die Pedale. Nach zwei Wochen strahlender Sonne, da wollte keine von uns beim ersten Regentag schon meckern. Je länger wir so fuhren, desto mehr spürte ich ein Gefühl einer tiefen Verbundenheit mit der Natur, die wie das Leben selbst nicht nur Sonnentag kennt. Die Gedanken wurden vom Regen weggewaschen und wir traten weiter in die Pedale, wortlos, ergeben. Nur bloss nicht zu lange rasten, immer gleich weiter, denn einsetzende Kälte würde alles zerstören, ergreift sie dich ist es zu Ende mit dem übermütigen Trotzen.. Doch da wäre dann noch der Hunger. Nach dreieinhalb Stunden konnte dieser unmöglich weiter ignoriert werden, nach drei weiteren Dörfern fanden wir ein Gasthaus. Ich schälte mich aus meinen klebenden Kleidern, rang meine Socken aus und zog mich um. Jedes Geländer, jede Heizung wurde zum Wäscheständer umfunktioniert. Eine Suppe wollten wir eigentlich, doch als der Koch Wildschweinspiess mit Kartoffeln erwähnte glänzten unsere Augen. Wildschwein – Premiere für uns beide. Wir waren begeistert!!! Frisch gestärkt und aufgewärmt stellten wir erfreut fest, es hatte fast vollständig aufgehört zu regnen.. Weiter ging unsere Fahrt, die Felder schienen nun noch saftiger, die frisch gewaschenen Felder gelber Senfblumen dufteten und strahlten noch stärker. An diesem Tag fuhren wir trotz einiger Höhenmeter über 100 km. Erschöpft suchten wir nach acht Uhr eine Unterkunft, was sich als schwieriger herausstellte als gedacht. Doch schlussendlich übernachteten wir für sehr wenig Geld in einem brüchigen, relativ schmutzigen Gebäude, doch das war uns soooo egal... Wir kochten im Zimmer und fielen in einen bleiernen Schlaf. Noch zwei Tage bis Brno.
   
   

28. Mai 2008

 
Brno Der letzte Teil Tschechiens dauerte doch noch länger als angenommen, so tauchten doch plötzlich nochmals 100 Kilometer auf, da sich die vermeintlich tschechisch-polnische Grenze als Naturschutzgebiet herausstellte. Der letzte Tag in Tschechien verlief ganz und gar nicht nach Planung. Wir standen sehr früh auf, denn wir wollten es heute bis Polen kommen. Um die Mittagszeit mussten wir jedoch einsehen, dass es kaum zu schaffen war, wir pedalierten dennoch kräftig weiter, Ziel war ein Camping nahe der Grenze. Nach 100 km und 1000 Höhenmeter kamen wir müde an, doch der Camping existierte nicht. Nun fuhren wir in die nächste Stadt (Trinec) und was uns hier erwartete war echt bedenklich. Man stelle sich eine Stadt mit engen Strassen vor, durch die sich wütend die PKWs und Lastwagen zwängen. Man stelle sich mehrere Brücken über den Köpfen vor, auf denen sich rostige Wagons quietschend und donnernd, schier unermüdlich vorwärts schieben...

Gestank, Lärm von allen Seiten, schmutzige Pub's, rauchende Fabriken. Und nun stelle man sich vor, man müsste hier bleiben, arbeiten, leben... Eine Pension fanden wir zuerst nicht, bis wir von einem freundlichen Herrn zu einem Hotel geführt wurden. Es war riesig und von aussen betrachtet heruntergekommen und ausladend, so staunten wir nicht schlecht über den hohen Preis, den wir nicht zu bezahlen bereit waren. Mir war richtig schlecht, denn ich hatte vom langen Suchen bereits einen ausgewachsenen Hungerrast und nachdem ich gierig Brot und Käse runtergeschlungen hatte, sah alles schon wieder etwas rosiger aus. Nun konnte ich mich auch langsam mit Erikas Vorschlag von vorhin, nämlich irgendwo das Zelt aufzuschlagen, anfreunden. Dass dieser Moment kommen würde, dass irgendwann keine Dusche und kein WC mehr gleich um die Ecke stehen würde, dass war mir ja klar, doch nun kam dieser Moment so unerwartet, so plötzlich... Ich spürte dennoch eine unglaubliche Erleichterung, als wir diesen Lärm nun etwas hinter uns lassen konnten, doch wir fuhren nicht weit. In einem Stück eingezäumter Wiese waren gerade ein paar junge Leute dabei, ihre Bierflaschen einzusammeln um ins Haus zu gehen. Wir fragten, ob jemand englisch spreche und eine junge Frau gab gleich auf tschechisch zu verstehen, dass sie ein wenig spreche.

Wir erklärten mit Händen und Füssen unser Anliegen, worauf sie uns ohne nachzudenken in ihren Garten führte. Wir durften das Zelt aufstellen und sie brachte sogar Bier. Ihr Englisch beschränkte sich auf ein paar Schlagwörter (friends, home, baby), doch mit einem tschechisch-russisch-englischem Gemisch entstand eine witzige Unterhaltung. Monika, so hiess sie, war sehr interessiert daran mit uns zu sprechen. Wir erfuhren, dass sie 22 Jahre alt sei, aus Pratislawa (Slowakei) komme und bereits einen 3 Monate alten Sohn habe.

Mehrere Male wies sie uns an diesem Abend darauf hin, unsere Fahrräder auch wirklich abzuschliessen und die wertvollen Sachen bei uns zu tragen. Es seinen viele Betrunkene in dieser Gegend unterwegs - der Wodka. So stapelten wir alles Gepäck ins Vorzelt und schliefen mehr schlecht als recht, ungewaschen, klebrig, frierend... und die Züge quietschten das Gutenachtlied. War das nun der Vorgeschmack auf Polen? Schliesslich waren wir gleich an der Grenze und Tschechien hatten wir bisher so ganz anders erlebt... Welch dummer Gedanke, welch gemeines Vorurteil. Ich schämte mich richtig, als wir am nächsten Tag von einem wunderschönen und freundlichen Polen mit offenen Armen und mit vielen lächelnden Gesichtern empfangen wurden.

Erikas Veloführer (Polen Süd) aus den 70er Jahren wollte uns nur über gelbe und sogar rote Strassen führen. Es war von Wagen mit Pferden und viel Landwirtschaft die Rede. Wir zeichneten unseren eigenen Weg ein, über Nebenstrassen, durch Dörfer die in eine hügelige Landschaft eingebettet waren. Landwirtschaft steht hier wirklich sehr weit oben, doch sind die Felder oft sehr klein und die Leute erledigen von Hand was bei uns schon längst maschinell geschieht. Wir sahen sogar einen Pferdewagen wie bschrieben. Die Gärten sind überaus gepflegt und aus jedem zweiten dröhnt einem ein Rasenmäher entgegen. Da die Strassenbeschilderung nicht mehr ganz so gut ist wie in Tschechien und unsere Karte ebenfalls nicht sehr exakt, fragten wir uns von Dorf zu Dorf durch. Mir gefiel diese Art des Vorwärtskommens, immer in Kontakt mit den Leuten, in einem Gebiet, dass selten Touristen sieht.

Dies hat natürlich zur Folge, dass es auch wenige Schlafmöglichkeiten gibt und so übernachteten wir wiederum draussen. Etwas abgelegen vom Dorf in einem Wald an einem grossen Stausee. Es war idyllisch. Nur der Fischer wollte und wollte nicht gehen, so wusch ich mich hinter einem Baum. Erika beteuerte er, dass sie sich gut im See waschen könne, das störe keineswegs beim Fischen . So wusch sie sich bei seinen Fischen im Bikini, mit ihm Wodka zu trinken lehnten wir jedoch ab. Wir befürchteten, er würde dann gar nicht mehr gehen...

Bereits in Tschechien habe ich ein Stück meines Herzens gelassen, in fester Hoffnung, einmal dahin zurück zu kehren und nun hat auch Polen mein Herz im Sturm erobert... Ich weiss, ich bin nicht das letzte Mal hier, einen anderen Gedanken würde ich gar nicht erst ertragen... Gestern sind wir nach Krakau gefahren und traffen unerwartet auf einen sehr gepflegen Camping. Hier bleiben wir nun zwei Tage, sehen uns heute die Stadt an und fahren morgen nach Ausschitz. Danach sagen wir dem südlichen Polen bereits Lebewohl und nehmen den Zug, rauf zu den Masuren. Die Seenplatten dort sollen fantastisch sein und da die Zeit drängt müssen wir uns entscheiden. Uns bleiben nur noch gute 4 Wochen bis Moskau.

Wild campieren an See in Polen

   
   

04. Juni 2008

Krakau ist hübsch, allerdings habe ich schon schönere und weniger überteuerte Städtchen gesehen. Doch mit jedem Schritt den man vom Zentrum weggeht, wird auch der Kaffee günstiger.

Auschwitz - schon der Name hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack... Bereits nach dem ersten Ausstellungsgebäude - es ging dort darum, was man dem polnischen Volk angetan hat - überlegte ich mir, ob ich mir das wirklich anschauen wolle, anschauen könne... Ein Foto setzte sich in meinem Kopf fest, brannte sich regelrecht ein und liess mich nicht mehr los... auch jetzt, da ich im Zug sitze. Immer sehe ich wieder diese Gesichter, die Fassungslosigkeit und Verzweiflung die sich darin spiegelte... Ich trat ans Fenster der Baracke, schloss die Augen und spürte den Wind auf meinem Gesicht, roch den Frühling und war dankbar. Dankbar als Besucherin hier zu sein und danach wieder durchs Tor rausgehen zu können, auf dem zynischerweise stand "Arbeit macht frei". Rausgehen und vergessen...

   
   

05. Juni 2008

 
Normalerweise schätzt man es ja nicht besonders, wenn einem jemand in den Rücken fällt, anders wenn es sich dabei um den Wind handelt. Schon auf der Zugfahrt in den Norden Polens bekamen wir eine Ahnung von unserem zukünftigen Helfer, denn der Wind soll, so stand es im Masurenführer, immer von Westen kommen, perfekt. Na ja, dieses Jahr scheint er mal eine Ausnahme zu machen. Nervenaufreibend, wenn du dich mit nur 18km/h einen Hügel runterquälst. Wenigstens sind die LKW's mehrheitlich auf unserer Seite. Hörst du von hinten einen heranbrausen, dann heisst es einen Gang strenger schalten und mit dem Sog des Ungestüms mitreissen lassen, immer schön positiv bleiben. Ausserdem, wenn ich an das Wetter denke, das anscheinend in der Schweiz herrscht, dann bin ich gleich wieder sehr zufrieden. Bei uns scheint Tag für Tag die Sonne, kaum zu glauben wie wenige Regentage wir bisher hatten! Es eilt aber auch nicht mit dem Ausprobieren meiner neuen Regenhose. Wir befinden uns auch höchst selten auf stark befahrenen Strassen, meist sind es Nebenstrassen die durch Wald, über Felder, und an kleinen Bauerndörfern vorbei führen, in denen oft aus Storchennestern die Jungen rausschauen und ihre Schnäbel gierig den Eltern entgegenstrecken.
Und immer wieder taucht auf der einen oder anderen Seite ein glitzerndes, tiefblaues Seelein auf. Sowohl Mittagsrast als auch das Nachtlager ist also stets mit Blick auf Fischerboote, Schwanenfamilien, inklusive Froschkonzert im Hintergrund. Allerdings mussten wir unseren hübsch ausgewählten Stegplatz am Mittag auch schon räumen, weil zwei Schwäne fauchend was zu Essen verlangten. Hätten sie höflich gefragt, hätten sie bestimmt auch was bekommen. Hier in Polen sind einige Strassen ein echtes Abenteuer. Du kannst wählen zwischen Kopfsteinpflaster links - und damit sind nicht die schön gleichmässigen Granitsteine gemeint sondern runde, spitzige, grosse, kleine... - oder Sandweg rechts. Keines ist eine gute Alternative zum anderen, so wechselt man immer mal ab. Das Tempo reduziert sich auf 6 - 8 Stundenkilometer (ohne Steigungen). Die Dörfchen die an diesen Strassen liegen, scheinen noch viel verträumter, doch ich bin überzeugt, dass diese Wege schon bald eine dicke Schicht Teer abbekommen werden. Deshalb sehe ich es als ein Privileg, das noch erlebt zu haben. Allerdings kommt nun noch ein grosser Teil solcher Strassen, vielleicht nehme ichs dann wieder zurück. Als wir gestern Abend nach einem Camping suchten, trafen wir 4 deutsche Radwanderer und verbrachten einen echt witzigen und abwechslungsreichen Abend. Als die Sonne unterging wurde Feuer gemacht, unser erstes auf dieser Reise. Die Hitze des Feuers vertrieb dann auch die lästigen Mücken. Beim Frühstück wars "etwas" ruhiger als am Abend - brummende Schädel?? Nun gehts zur grossen masurischen Seenplatte, danach schon bald nach Lettland, doch ich komm zurück, ganz bestimmt...
 
 

10. Juni 2008

 Stell dich drauf ein - dich auf nichts einzustellen...   Çnach oben  
   

Zwar ist auf der Karte ein Camping oder zumindest ein Biwakfeld eingezeichnet, doch wenn du (wieder mal später als geplant) müde und hungrig ankommst, ist von einem Platz mit erhofftem WC und Dusche keine Spur. So ging es uns mehrere Male, doch da sich immer ein See vor der "Zelttüre" befand, war das Waschen ja weiter kein Problem. Gestern war es eine kleine Halbinsel mitten in einem grösseren Ort, die wir mit der Dorfjugend (Samstagabend) teilen durften. Ich schlief dank Ohrenpfropfen wunderbar, Erika hielt Wache... die Arme... Auf dem Weg dorthin fuhren wir die letzten ca. 15 km durch Wald, über knifflige Sandwege und wehe du musstet vom Rad steigen, da lauerten schon hunderte kleine blutrünstige Monster - deshalb - immer gleich weiter, nur nicht stehen bleiben... Bis wir mitten im Wald auf eine Abschrankung und ein oranges Männchen trafen. Nein, hier gäbe es im Moment kein Durchkommen... und die Mücken hatten ihre Freude.

Erst wollte ich mich nicht so einfach abspeisen lassen und protestierte heftig. Als dann aber ein Ralleyauto mit etwa 120 Sachen vorbeiraste und den Wald in eine Staubwolke hüllte, so dass man sich nicht zu atmen traute, da hielt ich geschlagen den Mund. Nach einigem Hin- und Her, memmenhaftem Einsprayen mit Antibrumm und 40 Minuten später, konnten wir endlich weiter fahren.

Heute freute ich mich auf einen Tag ausspannen in Elk, um morgen mit dem Zug nach Riga zu fahren. "Zug nach Riga? Haben wir nicht!" "Aber wie kommen wir denn dort hin?" "Weiss ich nicht!" "Vielleicht mit dem Autobus?" "Weiss ich nicht und die nehmen keine Fahrräder mit!" "Herzlichen Dank für ihre Bemühungen."

Die Infodame für Autobussfahrten lachte nur. "Ihr habt ein Problem? Das ist normal in Polen.." Der Bus nahm uns dann doch mit, allerdings kamen wir heute nur näher an die Grenze ran, morgen werden wir sie überqueren, um von dort weiter zu schauen. Die Zeit läuft uns davon...

Wir sind in Litauen angekommen und werden heute einen Bus nach Riga nehmen. 5 Stunden Fahrzeit für gut 25 Franken... Die Nacht haben wir seit Tschechien das erste Mal wieder in einem Hotel verbracht. Ich war gespannt mich wieder mal im Spiegel zu sehen.. naja, wäre dann doch nicht so nötig gewesen, denn ich verbrachte einige Zeit damit, mir lästige Haare zu entfernen. Ist das Leben schön ohne Spiegel!

 

20. Juni 2008

 Gastfreundschaft hoch zehn!!!   Çnach oben
   

Nach einer witzigen Busfahrt, ich unterhielt mich mit einer Musikgruppe aus St. Petersburg, fanden wir schnell die Jugi im Zentrum Rigas. Die Reception war gleichzeitig eine Bar, es war eng, muffig, aber es herrschte eine einmalig gute Stimmung in dieser Bude. So schleppten Erika und ich nur "kurz" das ganze Gepäck in den 4. Stock, um dann einen Campari-Orange zu geniessen. Da wir nun schon ziemlich nördlich sind, bleibt es abends sehr lange hell, erst um 23 Uhr beginnt es langsam einzudunkeln. Von einem Zimmergenossen, einem Australier, liessen wir uns also die Stadt bei Abenddämmerung zeigen. Er interessierte sich sehr für Architektur, weshalb Erika lange auf ihren ersehnten Kaffee warten musste, denn er zeigte uns beinahe jede Besonderheit der Stadt... und es gibt unglaublich viele Besonderheiten. Nein, war echt super, allein achtet man viele Dinge oft gar nicht.

 

Welch ein Tag heute. Wohl wissend, dass es regnen sollte schliefen wir nicht im Zelt, sondern leisteten uns ein Zimmer. Natürlich regnete es dann am Morgen nicht... doch als wir los fuhren fing es langsam an. Nun musste man entscheiden ob man nass werden wollte vom Regen oder doch lieber vom Schwitzen... ich entschied mich für den Regen. Der Weg war sehr anstrengend, eine Schotterpiste die einem Wellblech glich, sehr beliebt hier... und durch den Regen war das Vorwärtskommen auf dem Sand noch mühsamer. In Limbazi kehrten wir in einem Restaurant ein (so konnten wir unser trockenes Brot und den faden holländischen Scheibenkäse noch etwas ignorieren) und beschlossen statt den Schotterweg die Hauptstrasse zu nehmen, sofern sie nicht allzu stark befahren war. Sie war fast gar nicht befahren, nur mussten wir feststellen, dass Hauptstrasse nicht gleich Asphaltstrasse ist.. doch rumpelte es zum Glück nur einige Kilometer.

Ziemlich müde und durchnässt kamen wir in Salacgriva an, welches kleiner war als angenommen und suchten das einzige Hotel auf. Wegen eines Motocross-Anlasses waren alle günstigen Zimmer belegt und 100 Euro würden bei weitem unser Budget sprengen. In der nächsten Stadt war noch eines frei für 70 Franken, doch auch so viel wollten wir nur ungern ausgeben. Die Kirchenverwalterin wimmelte uns zwar mit sichtlich schlechtem Gewissen, doch tausend Ausreden ab und so radelten wir weiter in Richtung Ainazi, zur Grenze Lettlands. Wir fuhren an einigen Bauernhöfen vorbei und so kam ich auf die Idee, dort zu fragen. Da war nur ein kleines Problem... die Hunde. Das Problem war dann ein grösseres. Wir riefen zuerst vom Tor aus und als sich nichts tat öffnete es Erika und ging drei Schritte rein... und da kam das Problem. Ein riesiges, zottliges Tier. Erika rannte raus und ich versuchte erfolglos die beiden Torflügel zusammen zu halten. Doch der Hund stiess es mit einem kräftigen Pfotenhieb auf und so standen wir uns gegenüber. Der Hund war zum Glück selber ein Schisshase, blieb schön auf seiner Seite stehen und bellte. Nun standen unsere Räder dort und wir trauten uns nicht, sie zu holen. Endlich kam jemand, Platz hatten sie keinen für uns und wir suchten weiter. Kaum war das Tor wieder sicher verschlossen tat der Hund wie eine Bestie, so ein Grossmaul. Da entdeckten wir ein kleines Haus in Bau, ohne Fenster und Türen aber mit Dach. Wir fragten eine Frau, die gerade wegfahren wollte und sie erlaubte uns hier zu übernachten. Verstehen konnte sie es allerdings nicht. Ans Wasser hatten wir dummerweise nicht gedacht und so fragte Erika (nach besonders langem Rufen vor dem Tor) bei den Nachbarn.

Und nun liegen wir gefüttert und glücklich in deren geheizter Stube und freuen uns, dass es draussen immer noch so furchtbar fest regnet. Morgen soll es ja wieder besser werden und da werden wir auch dem Meer, dass wir heute von weitem sahen, etwas mehr Beachtung schenken als "Uebrigens, nur so am Rande, dort drüben sieht man das Meer" - "Aha, keine Lust zum Baden heute..."

Meinen freien Tag verbrachte ich zu einem grossen Teil damit, eine günstige Unterkunft für St. Petersburg zu finden. Resultat: Kleine Wohnung mit Kochgelegenheit und Bad für 100 Euro die Nacht. Wir sind 5 Personen, also echt der Hammer. Ein Hotel kostet oft 200 Euro und mehr pro Nacht und Person..

Jetzt sind wir bereits auf dem Weg nach Estland und vor die Herausforderung gestellt, mit einer 500tausender Karte und einem recht lausigen Führer die Wege zu finden.. Durchfragen ist angesagt. Zum Glück können in Lettland wirklich so gut wie alle russisch, Jung und Alt, denn über 30 Prozent sind Russen, welche oft kein Lettisch sprechen, so hört man auch auf der Strasse auch sehr oft russisch.

 
 

23. Juni 2008

 

Verträumte, menschenleere Küsten, Steinstrände mit violetten, gelben und weissen Blumen überwachsen, einsame Fischerböötchen, grünes Schilf im azurblauen Wasser... Alte, knorrige Windmühlen, mächtige Leuchttürme und liebliche Holzhäuschen mit gepflegten Blumen- und Gemüsegärten. Das ist Estland.

     
Da wir nun doch plötzlich etwas viel Zeit hatten bis Tallinn, machten wir einen längeren Abstecher auf die Inseln Muhu und Saaremaa. Mit der Fähre gings zuerst auf die Insel Muhu, wo wir gleich ein Inselfest miterlebten. Da wurden Sketche gezeigt und viele Lieder der Insel gesungen. Erika liess sich von einer jungen Muhuanerin erzählen, dass sich die Inselbewohner jedes Jahr treffen würden, um alte Insellieder zu singen und Traditionen zu leben. Es war ihr unheimlich wichtig zu betonen, dass die Insel trotz der Dammverbindung zur Nachbarinsel eine eigene, richtige Insel sei... Die orangen Mützchen und Trachten gehören ebenfalls explizit zu dieser Insel... die Holländer würde es freuen. Apropo Holländer, wir haben schon lange keine mehr gesehen... Wisst ihr vielleicht wo die alle geblieben sind???

Vom 21. - 24. Juni wird in Estland das Mittwommernachtsfest (Johannisfest) ganz gross gefeiert. Überall finden Festivals und Tanzanlässe statt. An einem davon waren wir gestern. Es wurde getanzt, gegessen, viel getrunken und es gab ein riesiges Feuer. Ähnlich wie bei uns der Fasnachtssonntag, nur wärmer und mit einer etwas anderen Kulisse. Ein Schaschlik (extrem feines Spiessli) habe ich mir trotz Nachtessen im Bauch gegönnt. Nun wird es zwei Tage regnen, doch morgen müssen wir uns trotzdem wieder auf den Weg machen. Tallinn ruft!!!

 
 

28. Juni 2008

   Und plötzlich geht's Schlag auf Schlag  Çnach oben
   
Die letzten zwei Tage waren echt nicht ohne...  Am Mittwoch entschieden wir uns bereits um 15.00 auf einem netten Camping am Meer zu bleiben und am nächsten Tag halt etwas länger zu fahren. Aus diesem "länger" wurden 130 km. Recht geschafft kamen wir abends in Tallinn an und wollten nur noch essen und schlafen. Den Gang zum Bahnhof schoben wir auf den nächsten Tag, wir hatten ja einen ganzen Tag Zeit... denkste!!! Am Bahnhof merkten wir nämlich, dass der Zug nicht am Sonntagmorgen um 5 Uhr, sondern am Samstagabend um 17 Uhr fährt, sprich nicht nur 4 Stunden sondern 16 Stunden hat... leicht verschätzt. Nun wartet der Zug bereits auf den Schienen, mein Fahrrad ist verpackt (mehr oder weniger, der Lenker und der vordere Gepäckträger schauen noch raus und ich hoffe schwer, dass alles klappt. Ich bin sehr aufgeregt, weshalb ich jetzt lieber aufhöre und die Sachen einlade, horror!!!
Vielleicht dauerts nun eine Weile bis ich wieder ins Internet komme, doch in zwei Wochen werde ich euch über die Tour informieren, so dass ihr gleich für den nächsten Sommer buchen könnt. Bis dann!!!
 
 

29. Juni 2008

   Abenteuerliche Zugfahrt...
   
Dass ich so schnell wieder zu Internet komme, hätte ich nicht gedacht, doch so muss ich unbedingt die Erlebnisse unserer Zugreise loswerden... Als der Zug die Türen öffnete versuchte ich gleich mit dem Fahrrad ins Abteil zu kommen. Da ich eine Frau bin und vielleicht etwas hilflos ausgesehen habe, wurde mir auch gleich geholfen. Das Fahrrad passte aber hinten und vorne nicht ins Gepäckabteil im Coupe, doch da man uns gesagt hatte, wir hätten eines für uns alleine, luden wir sie auf die oberen Sitze. Plötzlich erfuhren wir mit Schrecken, dass wir eben doch nicht alleine reisten und eine hysterische Ehefrau, deren Mann in unser Abteil wollte, sagte uns alle Schande. Erika liess es relativ kalt, sie verstand ja nichts. Ich hingegen kam langsam an meine Grenzen als das Zugpersonal und etwa vier Leute vor unserem Abteil standen, die Köpfe schüttelten und etwas schimpften. So stand ich einfach mal etwas abseits, lehnte die Stirn gegen die Wand, hörte und sah nichts mehr. Der Zug fuhr endlich ab und wir waren immerhin noch drin, wie Erika es positiv formulierte. Ja, wir waren drin, aber auf unseren Betten waren die Räder und wir hatten eine 15 stündige Fahrt vor uns... Die zwei Mitreisenden, beide sprachen russisch und etwas englisch, stellten sich als wahnsinnig freundlich und hilfsbereit heraus. Viktor half uns mindestens ein Bett frei zu machen und wir assen und tranken danach zusammen Tee, Brot und Kekse. Eine Bemerkung von ihm gab mir allerdings etwas zu denken, nämlich "das wird euch teuer zu stehen kommen..." Er meinte die Grenze und es wurden Geschichten aufgetischt, wie sie mit Maschinengewehren manchmal den ganzen Zug auseinander nehmen und wirklich jeden Koffer und jede Tasche kehren. Hoffentlich nicht heute, bitte, bitte... Als wir einfuhren stand da bereits ein beachtliches Empfangskommitee in Uniform, mit strengen Gesichtern die darauf schliessen liessen, "mit uns ist nicht zu spassen..." Die Kontrolldame wollte gleich wissen, ob ich russisch könne. Ein bisschen, antwortete ich mal vorsichtig. Ich haette kein Touristenvisa, in welcher Angelegenheit ich denn nach Russland reise. Ich tat so, als hätte ich sie nicht verstanden, um Zeit zum Ueberlegen zu gewinnen... Studieren und arbeiten, fiel mir ein. Zum Glück war es im Zug unmenschlich schwül, so dass sie keine Lust hatte, sich weiter mit begriffsstutzigen Ausländerinnen herumzuschlagen. "Слава богу!" (Gott sei Dank!), liess ich leise vernehmen. Das war noch lange nicht alles... kam es von Viktor. Nun erst wurde das Gepäck kontrolliert. Natürlich hatten wir viel zu viel dabei, anscheinend waren nur 20kg zugelassen. Eine Dame holte mich in ein anderes Abteil und meinte, ich müsse nun alles Gepäck zum Bahnhof bringen, um es zu wägen und nachzuzahlen. Ich schaute geschockt und das war, was sie wollte, denn darauf meinte sie... "Oder ihr könnt es im Zug zahlen." Natürlich wollte ich es im Zug zahlen und sie schrieb auf einen Zettel: "120$. Ich machte grosse Augen. "So viel haben wir nicht!" "Oi, ich habe es in Rubel geschrieben, ich meinte 20$." "Ich habe keine Dollar, aber 120 Rubel (ca. 6 Franken) habe ich sicher!" "Ah nein, in Rubel sind es 500!" Ok. das war ein Deal, 25 Franken, dafür Ruhe, natürlich ohne Quittung. So habe ich das erste Mal in meinem Leben jemanden bestochen.

Als diese Schreckmomente endlich vorbei waren und der Zug weiterrollte, organisierte Viktor für sich ein anderes Bett und überliess uns seines. So kam am Ende alles gut. Lange konnte ich jedoch nicht einschlafen. Die Anspannung ueber den ganzen Tag hinweg war enorm gewesen, so lauschte ich dem regelmässigen Rattern des Zuges und das sanfte Schaukeln wiegte mich weit nach 24 Uhr dann doch noch für ein paar Stunden in den Schlaf.

Nun sind wir in einer Jugendherberge im Zentrum von Moskau, konnten unsere Wäsche endlich wieder mal waschen und ich freue mich unbeschreiblich, in ein paar Stunden meine Mutter und Freunde endlich wieder zu sehen!!!

 
 

Juli 2008

 Petersburg und Moskau   Çnach oben   
 

Die 4 Tage in Petersburg bildeten einen schönen Ausklang. Ich war froh, dass Edith, Hanspi und Ma nicht gleich nach der Tour nach Hause flogen wie die meisten. Petersburg ist eine glänzende und prunkvolle Stadt wie kaum eine andere, doch trotzdem übte sie nie diese Faszination auf uns aus wie Moskau. Ob es an den im europäischen Stil erbauten Hauser liegt, oder daran dass die Menschen in Petersburg viel unzufriedener und gehässiger erscheinen als sonstwo... ich weiss es nicht... Trotzdem hatten wir eine lustige Zeit, assen ausgezeichnet und legten auf unseren täglichen Rundgänge bestimmt nicht wenige Kilometer zurück.

Nun bin ich zurück in Moskau bei Tatjana (der Köchin) und werde hervorragend bekocht. Der Zug nach Sibirien fährt bereits morgen. 4 Tage Zugfahren für nur 2900 Rubel (ca. 130 Fr.). Allerdings handelt es sich dabei um den günstigsten Platz den man bekommen kann... ich bin gespannt. Das Fahrrad verlade ich in den Gepäckwagon, davon wurde mir zwar abgeraten, doch ich nehme lieber dieses Risiko auf mich als noch einmal von Zugpersonal und Fahrgästen beschimpft zu werden... Sobald das Gepäck abgegeben ist werde ich mich auf meine Reise freuen, bis dahin bleibe ich angespannt...

 
 

Juli 2008

   Der goldene Ring
   
  Landhaus Nach so langer Pause fällt es mir schwer, irgendwo anzufangen… Vielleicht am Anfang. Kaum konnte ich es erwarten, bis endlich meine Mutter und Freunde ankamen, umso freudiger war die Begrüssung. 3 Wochen standen uns bevor! Wie ich mich nach unseren vertrauten Gesprächen gesehnt hatte… Nach einer etwas oberflächlichen Stadtbesichtigung, bei der wir es uns zum Spass machten, Frauen auf schwindelerregend hohen Absätzen zu fotographieren, starteten wir am darauffolgenden Tag die Tour. Neben dem Radfahren besichtigten wir eine Reihe von Kirchen und Museen: Ein Bügeleisenmuseum (spannender als es klingt) - ein Eisenbahnmuseum (das einzige was mich hier interessierte war das Dressinenfahren - ein Vodkamuseum - ein Schulhaus (in dem wir nicht ohne Entsetzen eine Smile-Liste für sauberes Erscheinen in der Schule entdeckten) - einen heiligen Stein, auf den die (abergläubischen) Russen schmerzende Körperteile hielten - ein musikalisches Museum (die Kunst des Glockenspiels wurde vorgetragen) - ein Stiefelmuseum - ein nach altem Stil nach gebautes russisches Dorf - eine Bierbrauerei - das Haus einer Babuschka - eine Schmuckfabrik - Museen von Künstlern und Sängern - Museen über die verschiedenen Städte, die wir besichtigten.

Wir waren eine witzige Gruppe, zusammengewürfelt aus Amerikanern, Australiern, einem Franzosen, Russen und Schweizern, das Sprachenchaos war vorprogrammiert. Ich ging anfangs besonders dem Franzosen aus dem Weg, denn ich hatte das Gefühl, kein Wort Französisch mehr zu können… doch ich war nicht die Einzige. Nicht selten antwortete ich dem Franzosen mit “da” und den Russen mit “oui”. Wie es zu erwarten war, kaufte meine Mutter gleich anfangs der Tour Hundefutter, welches die meisten jedoch verschmähten. So musste immer wieder unser “Gutzivorrat” dran glauben und Hunde hatte es viele. Zu meiner Beruhigung waren es aber meistens gutmütige oder desinteressierte Tiere.

Ziehbrunnen Machten wir in einem Dorf oder einer Stadt Halt, und sei es nur um im Laden einzukaufen, verbreitete sich diese Neuigkeit wie ein Buschfeuer. Auf alten, klapprigen Fahrrädern oder zu Fuss kamen sie daher. Einige beobachteten uns nur von Weitem, andere waren neugieriger und stellten Fragen. Doch nie blieb es bei den Fragen, immer wurde man auch gleich üer geschichtliche Ereignisse oder Sehenswürdigkeiten, über Helden die hier gelebt hatten und heilige Plätze informiert, meist von älteren Bewohnern. Diese alten Menschen mit den zerfurchten Gesichtern, den gekrümmten Rücken und den trüben Augen, lösten in mir unmittelbar Ehrfurcht und Bewunderung aus. Was hatten sie doch schon alles erlebt, wie viel entbehren müssen, wie viele Aengste durchlitten… und trotzdem nie ganz den Mut verloren… Ein russischer Schriftsteller schrieb: “Ja Gott, wir haben in einer aufregenden Zeit gelebt, doch wir haben dich nicht darum gebeten…”. Ein Abend an der Volgabank werde ich wahrscheinlich nie vergessen… Nach einem leckeren Essen von unserer Köchin Tatjana, sassen wir noch in einer lustigen Runde zusammen. Vladimir (der Hauptleiter) hatte den Hausherrn dieser Unterkunft gebeten, die Bannia einzuheizen und erinnerte uns nun daran, dass sie bereit sei. Niemand hatte so richtig Lust auf dieses russische Dampfbad, doch aus schlechtem Gewissen zogen meine Mutter und ich uns um.
Zum Glück, denn es war traumhaft. Nachdem wir uns in dieser Schwitzkammer genügend aufgeheizt hatten, rannten wir durch die Büsche in die Volga. Zwischen tausenden von Mücken schwammen wir ein Stück dem Sonnenuntergang entgegen. “Ich kann es nicht glauben, dass ich in Russland in der Volga schwimme, dass ich wirklich in Russland bin!”

Schiefer Schopf, unser Schlafplatz im Heu

Schon seit sie 12 war träumte meine Mutter von diesem fernen, unbekannten und riesigen Land, hatte schon damals die Zeitschrift Sowjetunion-Schweiz abonniert, welche monatlich von Russland zu ihr ins Haus flatterte. Niemals hatte sie geglaubt, tatsächlich einmal russische Erde zu berühren…

Als wir zurück ins Haus kamen, war Andrey (ein russischer Teilnehmer) gerade dabei, russische Lieder zu singen und mit der Gitarre zu begleiten. Er sang so schön und mit so viel Gefühl, dass ich fast sentimental wurde… Besonders deshalb, weil ich von ihm eine solche Begabung nie erwartet hätte. Der letzte Abend der Tour war etwas ganz Besonderes…Eine Babuschka und ihre Tochter hatten für uns ein wunderbares Nachtessen mit Kartoffeln, Fleisch und Blinee (Crepes) zubereitet. Ausserdem tranken wir zum Auftakt einen russischen Champagner, dann russischen Wein, Vodka und Kwass (ein gegärtes Schwarzbrotgetränk).

Das alles blieb nicht ohne Wirkung. Nachdem Andrey nochmals seine schönsten Lieder zum Besten gegeben hatte, waren wir dran. Hanspi und Edith stimmten italienische und scheizerdeutsche Lieder an und wir liessen uns schnell mitreissen. Alle Schweizer sangen den Text und Tatjana trällerte begeistert den Refrain mit “Singin eiei, jupijupi ei…” . Die Hintergrundmusik lieferten hunderte von Stechmücken, welche verzweifelt ein Stück Haut suchten, welches nicht nach Anti-Brumm miefte… Trotz Betteln wollten die Amerikaner nicht mit einem Yankeesong (Hanspi-Sprache) herausrücken, in einer Ecke fingen sie dann doch leise an und wurden dann immer lauter und ausgelassener. Erst weit nach Mitternacht zogen wir uns in den Heustock zurück, der sich in einem Schopf befand, welcher dem schiefen Turm von Pisa reichlich Konkurrenz machte.

Die Tour war ein echtes Erlebnis und ein super Einstieg auf meine Russlandreise, die ich nun alleine fortsetzen werde. Die Trennung hatten Erika und ich schon vor Russland beschlossen – ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl, wir wussten nicht worüber wir zusammen sprechen sollten… Trotzdem werden wir uns in Sibirien wieder treffen, doch reisen wird jeder für sich alleine.

 
 

Juli 2008

 Düfte wie im Buch "Parfüm"   Çnach oben
 

Steigst du bei der Station Kosmolenskovo aus, findest du dich schlagartig in einer anderen Welt wieder. Drei Bahnhöfe befinden sich hier und dementsprechend viel Volk. Ausserdem halten sich hier die traurigsten Gestalten der Stadt auf, die in einer Welle von Alkohol, Elend und Hoffnungslosigkeit schwimmen und wohl irgendwann davongespült werden. Alte und Junge in schmutzigen und ausgebeulten Kleidern, mit von Blutergüssen und Narben gezeichneten Armen und Beinen, dunkelblaue Falten unter den Augen und tote Blicke. Selbst wenn man sie waschen, friesieren und in einen Anzug stecken würde, ihre abgelöschten Augen würden sie verraten. Von einem Stand weht mir der verlockende Duft von gefüllten Brötchen entgegen, ein Hund streift mein Bein, ohne mich jedoch zu beachten, auf der Suche nach etwas Essbarem. Auf der Suche nach meinem Perron gerate ich in eine Seitengasse, die mit Pfützen und Schlamm bedeckt ist. Beissender Uringeruch schlägt mir entgegen, am Boden liegt ein Obdachloser ausser Besinnung, von einem heftigen Krampf geschüttelt. Drei andere stehen ratlos herum, der eine schüttelt den Unglücklichen, der andere raunt, er solle ihn in Ruhe lassen. Es beginnt zu regnen. Schnell kehre ich um und dränge mich mit den anderen unter die kümmerlichen Dachvorsprünge, ohne Erfolg, der Wind peitscht uns den Regen entgegen... Was solls, bald wird es aufhören und die Sonne trocknet schnell. Endlich finde ich meinen Zug, Wagen 15 und überlege, ob ich den Dienst einer der Männer mit den lottrigen Gepäckwagen in Anspruch nehmen soll, die Riemen der Taschen scheiden sich schmerzend in meine Hände. Ich entscheide mich zum Glück tapfer dagegen, denn der Zug fängt bei Wagen 17 an.

Als ich meinen Wagon betrete bin ich froh, das Fahrrad und ein Teil meiner Sachen im Gepäckwagon abgegeben zu haben. Es ist eng, stickig und riecht nach Alkohol und Schweiss... "Wenn der Zug fährt wird es besser...", beruhigt mich meine freundliche Mitfahrerin Tatjana. Leider steigt sie schon um halb zehn abends wieder aus. Sie besucht ihre Mutter und freut sich wie ein Kind. Eine leckere Suppe wie kein anderer sie zubereiten könne stünde für sie bereit... Noch 4 Nächte und 3 volle Tage bis Irkutsk...

 
 

Juli 2008

 Traumfahrt nach Sibirien   Çnach oben
 
Mein Schlafplatz Bereits hat sich die Dämmerung zwischen die Bäume geschlichen und schafft eine geheimnisvolle Stimmung, doch die weissen Stämme leuchten noch wie Fackeln im letzten Licht, der Dunkelheit zum Trotz. Habt ihr noch nie einen Birkenwald einschlafen sehen... dann wird es Zeit... Endlose Birken- und Kiefernwälder, leuchtende violette Kerzen (Ivan-Chai), tiefblaue Seen und Flüsschen, eine Herde von Kühen, bis zu den Bäuchen im Fluss, eine alte Frau in bunter Schürze und Kopftuch gönnt sich auf ihrem riesigen Kartoffelacker eine Pause und schaut lange dem Zug nach... was wie wohl denkt, sich wünscht? "Heisse Kartoffeln mit Huhn, Gurken, Eis, kaltes Bier, süsse Erdbeeren, wer möchte kaufen?" So tönt es bei jedem Bahnhof mit längerem Aufenthalt. Die Frauen sind auf den Verkauf ihrer Ware angewiesen, ausserdem sieht alles sehr verlockend aus und so bleibt mein Instandfood unbeachtet.
Kurzer Halt in Novosibirsk Manche rennen in einen nahegelegenen Laden, wie oft ist wohl schon das Gepäck herrenlos weitergefahren... Mit angehaltenem Atem beobachte ich einen alten Mann, der mit Entsetzen begreift, dass sein Zug gerade losfährt. Er wirft seine Produkte rein und springt auf den fahrenden Zug auf. Alles gut gegangen, man hört die Schaffnerin lauthals wettern.

Von Саша (Sascha), einem jungen Studenten werde ich ins Abteil eingeladen, um dort mit einem jungen Ehepaar, einem Grossvater Peter (Пётр) und ihm anzustossen. Vodka und Sprite zum Spülen stehen auf dem Tisch. Der Vodka wärmt die Kehle, brennt jedoch nicht. Wir berichten und lachen noch, als die Schaffnerin (Проводница) schon lange das Licht gelöscht hat, nur vor Haltestellen mahnt Пётр zur Ruhe, falls die Polizei käme... Die nächsten Tage verbringe ich in diesem Abteil, Саша steigt bereits am nächsten Tag in Omsk aus und ein lustiger Buriate steigt zu. Nicht ganz so schwer wird der Abschied in Irkutsk. Пётр steigt ebenfalls hier aus und wir haben die Nummern getauscht.

Auch dem jungen Ehepaar habe ich natürlich gerne versprochen, sie in Ulan-Ude zu besuchen. Während dieser 4 Tage kam ich fast nie zum Lesen und keine Sekunde war mir langweilig... Nie würde ich anstelle von "Platzkart" (offener Wagon) ein geschlossenes Abteil buchen. Wie schön war es, nun bei meiner russischen Babuschka anzukommen. Zoya drückte mich vor dem Schlafengehen ganz fest an sich und sagte "Я тебя люблю!" Ich bin in Sibirien angekommen...

 
 

26. Juli - 12. August 08

 Sibirische Taiga und Steppe   Çnach oben
 
  Als die erste Pfütze den Weg versperrte und die Räder halb im Wasser standen ahnte ich noch nicht, wie harmlos diese war und wie viele noch folgen sollten. Die Landschaft war atemberaubend, wild und wunderschön. Da lichtete sich der Wald und machte einer mit Blumen übersäten Wiese Platz, dort führte eine Brücke über einen Bach mit glasklarem, eiskaltem Wasser. Dennoch wurde der Weg beschwerlicher, die Pfützen tiefer und schlammiger, so dass sich die Schutzbleche mit klebrigem Lehm füllten und die Räder sich nur noch mühsam drehten. Oft blieb ich stecken und landete im Wasser, stiess, zog und zerrte das Fahrrad raus, um bald schon wieder der nächsten gegenüber zu stehen. Das zerrte an den Kräften und doch wollte ich mir keine Pause gönnen, wollte ich doch das Dorf heute noch erreichen. Unterwegs verlor ich auch noch meine grosse Petflasche und so kam der Durst und die Sorge, bald wieder an Wasser zu kommen dazu. Langsam verwandelte sich die Lust "mit der Natur zu sein" in einem Kampf gegen sie. Ich war zu erschöpft um noch ans Fotografieren denken zu können, nur weiter, weiter...
 
Als ich nach einer kleinen Esspause gerade weiter wollte, ich traute meinen Augen kaum, kam eine Gruppe Radfahrer mit Gepäck angefahren. Ich müsse wohl das verrückte Mädchen sein, das alleine in die Taiga gefahren sei, wie man ihnen im Dorf erzählt hatte... Sie selbst waren aus Moskau und Umgebung. Von einer jungen Frau wurde ich sogleich eingeladen, mit ihnen zu essen, doch ich lehnte ab. Erstens hatte ich gerade gegessen und zweitens nahm ich an, dass ich eh viel langsamer unterwegs sein würde, da sie viel weniger Gepäck hatten. Schnell war ich wieder alleine und fühlte mich auch alleine. Das Wasser blieb ein Problem und als ich bei einer Verzweigung nicht ganz sicher war ob links oder rechts, wuchs meine Unruhe, die mich nach 5 km anhalten liess. Ich war zwar ziemlich sicher richtig zu sein, wollte aber dennoch zur Sicherheit auf die Gruppe zu warten.
 
Nach etwa eineinhalb Stunden, es war bereits 18.00 Uhr, beschloss ich umzukehren um die Spuren der anderen zu suchen. Doch erstmals stiess ich auf ganz andere Spuren, die beim Hinweg noch nicht da gewesen waren - Bärenspuren. Nur kurz dachte ich daran anzuhalten um sie zu fotografieren, die Angst war grösser und ich schaute, schnell weiter zu kommen. atsächlich fand ich bei der Verzweigung Radspuren, welche nach rechts führten. Sie bogen von nun an relativ planlos mal rechts, mal links ab und ich verlor jede Orientierung auf der Karte. Ich musste sie finden, sonst hatte ich ein echtes Problem... Wenn sie richtig gefahren wären, hätte das Dorf schon längstens kommen sollen, doch nichts als Wald. Da, endlich, der Wald lichtete sich. Sollte die Lichtung gross genug sein, musste sie auf der Karte sichtbar sein!
Doch bald begriff ich, dass es sich nicht um eine natürliche Lichtung, sondern um ein riesiges Stück abgebrannten Wald handelte...  Es war bereits mehr als 19.00 Uhr. Plötzlich glaubte ich weit vorne etwas Rotes zu sehen, vielleicht ein Haus?! Hoffen, bangen, strampeln - es war kein Haus, besser, es waren die Radfahrer! Mit allen Kräften fuhr ich hinterer und wäre fast vorbeigefahren, denn sie bogen auf eine Wiese an einem Fluss ab, um dort das Nachtlager einzurichten. Sie sahen mich zum Glück und riefen mich. Und das war der Anfang einer wunderschönen, abenteuerlichen, fröhliche Reise und ganz guter Freundschaften, zu denen ich Sorge tragen werde wie zu einem Schatz. Einem Schatz, den ich in der Sibirischen Taiga gefunden habe... Jeden Abend wurde Feuer gemacht, gekocht und angestossen. Die Herren hatten über 90prozentigen Alkohol dabei, welcher mit Flusswasser gemischt wurde.
So entstand ein anständiger Vodka, welcher lange hielt. Hinterher wurde mit Saft gespült oder in ein Stück Zwiebel gebissen. Das Feuer brannte jeweils die ganze Nacht, so konnten auch am Morgen gleich wieder Brei (Kascha) und Tee gekocht werden. Oft wurde gesungen und so hörte ich manches russische Lied. Da eigentlich nicht ich, sondern die Moskauer falsch gefahren waren, brauchten wir 2 Tage länger bis zum nächsten Dorf, die Wege waren furchtbar, die Erlebnisse - unbezahlbar. In der Gruppe war es nun wieder ein "mit der Natur" und Bärenspuren wurden mit Bewunderung ausgiebig betrachtet und fotografiert. Mittags und abends suchten wir uns immer einen Fluss um kochen und sich waschen zu können. So fuhren wir an einem Tag nach dem Frühstück bis 17.00 Uhr durch und ich war erstaunt, wie lange ich es ohne Essen aushielt... Das Wasser war eiskalt und die Mücken stechfreudig, so dauerte die Waschprozedur abends nie länger als 5 Minuten.
An einem breiten Flussufer packte Andrej seine Angelrute aus und begann unter dem Gespött der Gruppe zu fischen. Seine Frau Lena klagte, dass man mit dem Geld, das er für Angelsachen ausgegeben habe, schon kiloweise hätte Fisch kaufen können. Doch promt kam er nach 20 Minuten freudestrahlend angerannt mit einem beachtlichen Fang. Seine Frau schnitt dem armen Tier kurzerhand bei lebendigem Leibe den Kopf ab und nahm ihn mit flinken Händen aus. Staunend schaute ich zu. Er wurde gesalzen, am Abend in Essig eingelegt und zum Frühstück verzerrt. Lecker!!! Nach 5 Tagen kamen wir im ersten grösseren Ort (Elanzie) an, wo wir uns erstmals wieder mit warmem Wasser in einer russischen Bannia wuschen. Die letzten Kilometer bis zum Baikal fuhren wir zuerst auf einer befahrenen Strasse auf der linken Strassenseite. Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen, doch so konnten wir jederzeit an den Rand fahren wenn's eng wurde.
Danach bogen wir in die Steppe ab und fuhren nochmals für ein Stück in die Taiga hinein. Spät abends am Baikal dann die erste (und einzige) warme Dusche - welche Wohltat... Deutsche leihten uns ihre Gitarre und wo wurde noch lange gesungen, angestossen und gefeiert. Die Zeit auf der Insel war ebenfalls super. Da es auf der ganzen Insel keine Bank gibt, mussten wir nach zwei Tagen Halbpension bei einem Buriaten auf Wald und Selbstversorgung umstellen, doch das machte uns nichts aus. Mein Geld war bald alle und so wurde mir von den Moskauern bis Irkutsk alles vorbezahlt, was mir sehr unangenehm war. Selbst ein Regentag konnte unserer Laune nichts anhaben. Wir spielten Karten und während wir Frauen im Zelt Liebesgedichte zitierten, verbrachten die Herren viel Zeit damit die Sätze aus meinem Russischbuch unter dem Kapitel "flirten" auswendig zu lernen.
So hörte ich von nun an ständig: "Du hast wunderschöne Augen!" " Bist du alleine hier?" "Kommst du mit zu mir?"  Zurück in Irkutsk wurde am letzten Abend nochmals gefeiert, wie ich es selten erlebt habe. Eine russische Rockband spielte, wir tanzten, sangen und tranken alle viel zu viel. Doch selbst der Kater am nächsten Tag liess mich nichts bereuen. Der Abschied fiel mir schwer, doch werde ich im September in Moskau erwartet. Ein Konzert soll auf dann organisiert werden, da Maxim in einer Band spielt. Die Freundschaften, die ich in diesen zwei Wochen geschlossen habe sind mir wertvoller, als alles, was ich bisher auf meiner Reise erlebt habe. Die Erinnerungen an das, was ich mit diesen guten Leuten erlebt habe werde ich ein Leben lang in meinem Herzen tragen...
 

13. - 25. August 08

 Die andere Seite von Russland   Çnach oben
 
  Etwas länger als eine Woche ist es her, seit die Moskauer abgereist sind und obwohl sie mir fehlen, wurde es mir nicht langweilig. Da meine Zugbekanntschaften, Anja und Ajur bereits am 16. August zurück nach Petersburg mussten, blieb keine Zeit um auszuruhen. Mit der Elektritschka (Zug) war ich in 7 Std. in Ulan-Ude, der Hauptstadt Buriatiens und wurde gleich abgeholt, um an einem kleinen, hübschen See mit der Familie Schaschlick (Spiess aus Schweinefleisch) zu essen. Es war schön die beiden wieder zu sehen. Gemütlich wars mit der Familie, um das Wodkatrinken kam ich nicht herum. Nachdem wir auf dem Nachhauseweg bei Anjas Grosstante noch vorbeischauten, kamen noch zwei Gläser süsser Wein dazu (der leider ebenfalls gestürzt werden musste) und trotz Protest zwei Gläser Eigenbrandt (Feuer). Diese feuchtfröhliche Atmosphäre sollte sich die nächten zwei Tage noch weiterziehen, denn alle wollten der Schweizerin das Wodkatrinken beibringen.
Ajur und Anja konnten sich hingegen meist elegant rausstehlen... Am nächsten Tag fuhren wir zum Baikal, wobei zweimal angehalten wurde. Einmal um bei einer heiligen burjatischen Stätte den dortigen Geist um eine unfallfreie Fahrt zu beten und einmal in der Nähe des Baikals, um seinen Geist gnädig und freundlich zu stimmen. Eine Goldmünze oder eine ungebrauchte Zigarette wird gespendet. (Falls es euch interessiert, wer die Burjaten sind, ganz kurz: Die Burjaten haben stark asiatisch geprägte Gesichter. Sie verbindet eine nahe Verwandtschaft mit den Mongolen, was sich auch in der sprachlichen Nähe nachvollziehen lässt. Lange lebten sie in filzgedeckten Jurten nomadisch, in erster Linie von Viehzucht. Noch heute betreiben sie häufig Viehzucht, neben Pferden und Kühen werden in erster Linie Schafe gehalten. Auf dem Irkutsker Markt fällt auf, dass Milchprodukte fast nur von burjatischen Verkäuferinnen angeboten werden.
Der Urglaube ist der Schamanismus, der heute nur noch sehr begrenzt praktiziert wird. Interessant ist, dass auch die orthodoxen Russen an den heiligen Stätten kurz anhalten oder zumindest beim Vorbeifahren eine Münze oder Zigarette aus dem Fenster werfen.) Nach einer schönen Nacht am Lagerfeuer, wieder mit Schaschlik und Wodka, feierten wir am nächsten Abend bereits mit der Familie Abschied. Ich ass mich durch alle burjatischen Spezialitäten und musste auf 1000 Sachen trinken. Ungewollt sass ich danach wirklich betrunken im Kino.
Selenga Eine herzliche Verabschiedung und bereits wieder auf dem Fahrrad in Richtung Selenga-Delta, allerdings nicht auf der Hauptroute, da ich mir weniger Verkehr erhoffte. Fehlentscheidung. Ein Berg von 1400 Höhenmeter und viel Verkehr. Ein Bauarbeiter, der bereits vor einer Viertelstunde vorbeigefahren war kam mir plötzlich wieder entgegen und wendete. Er sei bereits bis ganz oben gefahren, da habe ich ihm so leid getan, bestimmt sei ich erschöpft. Natürlich konnte ich nicht ablehnen, obwohl ich gerne selbst gefahren wäre. Eigentlich hatte ich vorgehabt im Wald zu zelten, jetzt war ich bereits wieder in der Zivilisation. So fuhr ich noch lange entlang der Selenga in den Abend hinein und beschloss, im letzten Dorf um Obdach zu beten. Zweite Fehlentscheidung an diesem Tag...Schon beim Dorfanfang fielen mir die extrem ärmlichen Häuser auf. Ein Auto mit zwei unangenehmen Gestalten hielt, überall wurde ich ekelhaft unverschämt angestarrt und angelallt. Ich hielt Ausschau nach einer Frau, doch überall sassen nur versoffene Männer, Junge und Alte.
 Sobald ich langsamer fuhr, kamen sie mir entgegen - schnell weiter... Die letzten Häuser, eine Frau mit einem Kind stand am Gartenzaun. Etwas verunsichert bremste ich, worauf sie mich sofort energisch ins Haus bat - ihrem Redeschwall folgte eine Alkoholfahne. Nun folgte ein Abend, den ich gut und gerne streichen würde. "Meine Kleine!", entzückte sie sich immer wieder und küsste mein Gesicht. Ein kleiner Junge starrte mich unentwegt mit offenem Mund an, schmutzig, kaputt... Das etwa 12jährige Mädchen jedoch machte mir Mut. Sie war soweit sauber und hatte grosse, kluge Augen, bewegte sich normal, sprach normal... Sie tat mir so gut. Essen lehnte ich ab, ich hätte bereits gegessen, log ich. Ueberall sassen die Fliegen und neues Essen bereitete sie in der schmutzigen, mit Resten verklebten Pfanne zu. Einige Lebensmittel, die ich von der burjatischen Familie geschenkt bekommen hatte, nahm man gerne an. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ein riesiger Mann bäumte sich vor mir auf. Wilde, stahlblaue Augen starrten mich aus einem von Alkohol und Wetter gezeichneten Gesicht wütend an. "Wer ist das?! Was macht die da?!" Die Frau beruhigte abwechselnd ihn und mich, beides gelang ihr anfangs nicht wirklich. Unentwegt sagte sie: "Hier passiert dir nichts, meine Kleine, niemand tut dir etwas!" Ich war mir nicht so sicher und kam mir vor wie in einem schlechten Märchen... Die Situation beruhigte sich und ich legte mich bald aufs Bett. Es stank nach Urin - abartig. Ganz verkrampft, dass bloss keine Haut das Bett berührte, versuchte ich zu schlafen. In der Küche wurde mit weiteren traurigen Gestalten angestossen. Mehrmals wachte ich in dieser Nacht auf. Einmal deckte sie mich mit dieser wiederwärtigen Decke bis zum Kinn zu, einmal küsste sie mich erneut ab, jedes Mal wenn die Tür aufging erwartete ich etwas unangenehmes und mitten in der Nacht tobte draussen der Hund, man hörte Männerstimmen. Bestimmt wurde gerade mein Fahrrad mitgenommen - es war noch da am Morgen. Ebenfalls ohne Frühstück fuhr ich los, bloss weg, weg... Wenn man nur den Kindern helfen könnte. Wie kann man solche Augen vergessen...
  Baustelle Von nun an waren die Begegnungen wieder erfreulich. Eine Gruppe Bauarbeiter lud mich auf die Baustelle zu Blinee und Tee ein, welche dort eine ältere Dame zubereitete. Sie kocht dort den ganzen Tag und wäscht Geschirr, mitten unter Borrergedröhne und Staub, doch die Stimmung war grossartig.
Milchlaster In Irkutsk wartete Zoja auf mich, damit wir gemeinsam mit den Enkelkindern an den Baikal fahren konnten und da der Zug erst zwei Tage später fuhr, beschloss ich per Anhalter nach Irkutsk zu kommen. Leider fuhren nur wenige Linienbusse und so versuchte ich mein Glück bei einem Lastwagen. Zusammen mit einem freundlichen Russen und 700l Milch fuhr ich also nach Hause.
   
   

Ende August 08

 Ueberlistet...    Çnach oben
 

Über den Weg nach Arschan brauche ich nicht viel zu sagen, schaut selbst…
 

     
   
Nach 110 km und über 1000 Höhenmeter schlich ich die letzten 5 km bis endlich das Dorf auftauchte. Am Strassenrand standen Frauen mit Tafeln und boten Quartiere an. Die dritte war bereit mich zu beherbergen. Ziemlich schnell wollte sie das Geld sehen. Das Zimmer war soweit in Ordnung, jedoch sehr kalt und so bat ich sie den Ofen anzuheizen.
Nach dem ersten Versuch stand das Zimmer unter Rauch, so dass ich alles aufreissen musste und es noch kälter wurde. Noch zweimal musste ich sie bitten, doch sie brachte es nicht zustande – probierte es auch gar nicht wirklich. Beim 4. Mal war ich bereits sehr genervt und meinte: „Sie gehen nicht eher aus diesem Raum, als dass das Feuer nicht brenne!“ „Gleich!“, meinte sie und ging raus. Ich dachte, um Zündhölzer zu holen, doch sie kam nicht zurück. Heimlich schloss sie nebenan ihr eigenes Quartier ab und verschwand. Als ich es merkte konnte ich es kaum glauben – solche Boshaftigkeit!
Wütend überlegte ich, wo ich am nächsten Morgen den Wasserkocher und die Herdplatte verstecken würde. Dennoch stand mir eine kalte und schlaflose Nacht bevor. Vielleicht konnte ich ja mit meinem Schlüssel ihre Wohnung nebenan öffnen – ging natürlich nicht. Doch oft verstecken die Leute den Schlüssel irgendwo… Blick unter die Blumentöpfe, Griff aufs Regal – Bingo! Ich schloss auf und legte mich in einem warmen Zimmer in ein bequemes Bett. Mein Herz hüpfte vor Freude – überlistet! Ich schlief wunderbar… Damit sie es auch merken würde, ging ich morgens ohne wieder abzuschliessen aus dem Haus.
 
 

2. September 08

 Danke Baikal!   Çnach oben
 
BAIKAL – bereits der Klang dieses Wortes löst in mir so vieles aus, Gefühle, Erinnerungen… Was verbindet mich nicht alles mit diesem riesigen, unergründlich tiefen See! Letztes Jahr war es sicherlich etwas Besonderes, den Baikal zu sehen, doch noch war er ein Fremder.

4 Tage verbrachte ich mit Zoja und ihren Enkelkindern in einem kleinen Ort, der nur per Schiff oder zu Fuss erreichbar ist. Bolschoje Kotj. Nach beiden Seiten verläuft ein schmaler, aber guter Fussweg dem Baikal entlang. Alleine kehrte ich an diesen Ort nochmals zurück, um ein Stück dieses Weges zu begehen, um dem Baikal Lebewohl zu sagen und ihm zu danken... Ich kniete an seinem Ufer, bewunderte wie schon so oft seine klare Tiefe, berührte seine Wellen und ein Sturm der Erinnerungen brach über mich herein.

   

Der Text im Lehrbuch letztes Jahr, die Legende über die schöne Angara, die dem alten weisen Vater Baikal davonlief, weil sie sich in den wilden, jungen Fluss Enisej verliebte und seither als einziger Fluss den Baikal verlässt.

Die Zeit, die ich mit Sarah und Nora dort verbrachte im letzten Jahr… und vor allem unser Kampf durch die Taiga, um zu ihm zu gelangen. Noch nie habe ich einen so schweren Weg auf mich genommen, um jemanden zu treffen… noch selten hat sich ein Weg so gelohnt. "Zum Glück haben wir die eine Abzweigung verpasst, was hätten wir nicht alles verpasst", meinte Sasha. Wie recht er hat.

Viele Flüsse, welche ebenfalls auf dem Weg zu ihm waren, spendeten uns ihr Wasser für Essen und um sich zu waschen.

   
Ich dachte daran, wie Sergei uns dank GPS kreuz und quer durch die Taiga bis an sein Ufer führte - die leuchtenden Augen, als wir die Taiga vollends hinter uns liessen und in der Ferne den Baikal erblickten – die Steine, welche wir zu seinen Füssen aufhoben als Erinnerung (wie als Kind im Tessin) - wie Sasha und Madvej diese auf der Wasserfläche hüpfen liessen (Lusia muss noch etwas üben); wie ich mich nach vier Tagen ohne Dusche in seinem eiskalten Wasser wusch, dachte mir bleibt das Herz stehen; wie Peter grosszügig Wasser zum Kochen holte und jedes Mal bis über die Knie durchnässt war, da die Wellen so unberechenbar sind; wie Lena Andrej rügte, als er auf dem Schamanenfels herumkletterte; wie Andrej unermüdlich sein Fahrrad im See wusch; wie Lera sich auf der Insel von oben bis unten mit Schlamm beschmierte;  wie Maxim liebevoll über ihn schrieb und wie vor Lusja kein Omul (Fisch der nur im Baikal vorkommt) sicher war, gebraten oder geräuchert, egal…; wie Zoja an seinem Ufer stand, die Arme zur Sonne streckte und für eine Weile unansprechbar war.
Immer wieder musste ich lächeln, während Tränen ins Wasser fielen (es ist trotzdem noch immer ein Süsswassersee).

Danke Baikal – magisches Gewässer - das Lied deiner Wellen trage ich für immer in meinem Herzen…

 
 

25. September 08

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Moskau – Stadt der Farben, der Lichter, eine Stadt die nie schläft… Stadt der Träume und Hoffnung… wie viele suchten und suchen hier ihr Glück… Moskau ist wie ein Magnet, so sagte mir im letzten Jahr ein Armenier; welcher hier arbeitete. Diese Anziehung ist spürbar und wer sich für Geschichte und Kultur von Russland interessiert, muss diese Stadt einfach lieben… Falls ihr es mal nach Moskau schafft, verpasst es nicht euch spät abends ein Taxi zu mieten und euch kreuz und quer durch die Innenstadt fahren zu lassen, es ist ein überwältigender Anblick… Bei Piotr, Lusia und ihrem kleinen Sohn Ilja verbrachte ich die letzten Tage meiner Reise. Am ersten Abend trafen wir uns alle in einer Bannja, meine letzte für lange Zeit... und da es in der Bannja sehr wichtig ist zu trinken, waren wir vorbildlich mit Bier ausgerüstet. Am nächsten Tag spazierten wir lange durch Selenograd, wo mehr oder weniger alle der Tourengruppe wohnen oder wohnten – eine sehr grüne und freundliche Stadt, von Moskau aus in 40 Minuten mit der Elektritschka (Zug) zu erreichen. Die ganze Woche wurde ich von Lusia und Piotr verköstigt, beherbergt, die Gastfreundschaft war sensationell… Danke! Vielen, vielen Dank für alles!!!

Am Montag verbrachte ich den vollen Tag damit eine Möglichkeit zu suchen, mit dem ganzen Bagage nach Hause zu kommen. Mein grösster Wunsch war es, im Zug nach Hause zu fahren – das Flugzeug schien mir ein zu schneller & krasser Ausstieg nach so langer Zeit weg von zu Hause. Leider musste ich bald begreifen, dass mein Wunsch nicht in Erfüllung gehen würde. Ohne Gepäckwagon und einem Zug, der bis auf den letzten Platz belegt war, war es schlicht ein Ding der Unmöglichkeit… Den ganzen Tag jagte ich so der Möglichkeit nach, ein Busunternehmen zu finden, welches nach Deutschland oder in die Schweiz fahren würde. Leider passten die Daten nicht. So blieb nur noch das Flugzeug, das Gepäck gab ich als Fracht auf, um den Preis günstiger zu halten. Zu spät merkte ich, dass ein Flugticket nicht nötig gewesen wäre, d.h. dass ich das Gepäck hätte aufgeben können und trotzdem mit dem Zug zurückfahren. Nun ja… Pech.

Die Tage verbrachte ich hauptsächlich in Moskau wo ich herumspazierte, die berühmte Tretjakowski - Gallery besuchte und sonstige schöne Plätze und Kirchen besichtigte. Im Gegensatz zu unseren oft düsteren und bedrückenden Bauten, spürt man dort wirklich die Gegenwart von etwas Übermächtigem, etwas Heiligem und wesentlich – von etwas Gutem und nicht Bedrohendem… Die farbigen Bilder, das glänzende Gold, die Mosaike aus Natursteinen, die gütigen Gesichter der Heiligen, Kunstwerke die zum Glück zu Stalins Herrschaft nicht alle zerstört oder danach wieder aufgebaut wurden.

Am Mittwoch dann ein Höhepunkt, viele von uns trafen sich abends in Moskau in einem kleinen, rauchigen und stimmungsvollen Kaffee wieder, wo Maksim ein Konzert organisiert hatte. Der witzige, aber doch eher stille Maksim kam aus sich raus und brachte die Leute zum Tanzen und Singen… Die Stimmung war super! Von einigen wurde ich ausgequetscht über meine Reise. Sie kannten mich schon vom Hörensagen und wollten nun wissen, wie mir Russland gefallen habe, ob ich nicht Angst gehabt habe, ob die Leute gut seien… Ich konnte von ganzem Herzen schwärmen und ich glaube, es tat ihnen gut. Besonders in einer Zeit, in der die Welt wieder einmal mit Fingern auf sie zeigt und Russland erneut als Feindbild gilt… Nach dem Krieg in Georgien sind viele Russen enttäuscht und verletzt darüber, dass die ausländische Presse ihnen die ganze Schuld zuschiebt, deshalb wurde ich auch nicht selten gefragt, ob man bei uns in der Schweiz gleich denke wie in Amerika… Danach übernachteten wir bei Lusias Schwester Olga, welche sich als ein absoluter Schatz herausstellte. Sie bekochte uns fantastisch und erklärte sich auf Lusias Anfrage, mir mit der Gepäckabgabe zu helfen, sofort als einverstanden. Ich wehrte mich zuerst, sah nicht ein, weshalb eine fremde Person sich für mich so viel Zeit nehmen sollte, doch ich war im Nachhinein so froh um sie… Die Gepäckaufgabe dauerte etwa 5 Stunden, doch nicht weil wir wartend herumstanden, sondern weil wir von Schalter zu Schalter und zurück und im Zickzack rennen mussten, um irgendwelche Formulare auszufüllen, da wieder etwas zu unterschreiben, dort einen Stempel zu holen…Kurz, alleine wäre ich wahrscheinlich bald heulend in einer Ecke gesessen…

An meinem letzten Abend war das Haus bei Lusia und Piotr noch einmal voll. Es gab neben einer russischen Spezialität auch ein Schweizergericht. Fondue!!! Von einigen wurde es geliebt, für Matvejs Geschmack hatte es hingegen zu wenig Fleisch.

Weinend trennte ich mich am nächsten Tag am Flughafen von meiner kleinen Familie und landete in kürzester Zeit zurück in der Schweiz.

Grosses Wiedersehen mit Marco, den ich viereinhalb Monate nicht mehr gesehen hatte. Das nach Hause kommen fiel mir viel leichter als beim letzten Mal, als ich von Moskau zurückkam. Wir besuchten die Familie, Freunde… alles wunderbar. Ich war selbst erstaunt, wie gut alles ging. Vielleicht war das Rückflugticket (ein Flug hin und zurück war günstiger als nur einfach) in meiner Tasche daran Schuld... Doch der Termin rückte näher, von Moskau kamen häufig Mails „wir erwarten dich am 25. September…“, doch natürlich war ein Zurück ausgeschlossen. Und so kam er doch noch… der Koller, heftig und zermürbend…

Nun habe ich mich wieder gefangen und es wird Zeit, dass ich ins Arbeitsleben einsteige, wieder als Zahnrad in diesem riesigen Triebwerk funktioniere, ohne ständig auszubüchsen… Doch die Bilder leben weiter…

Die Abendsonne, die durch die weissen Stämme der Birken scheint - das Lied des Baikals, mal sanft, mal tosend - die endlosen, unberührten Wälder und die Flüsse, die sich ihren Weg durch das Dickicht suchen - die alten Frauen, die am Strassenrand ihre Pilze und Beeren verkaufen - wie der Zug in Sibirien scheinbar im Nichts anhält und Frauen und Männer sich mit Körben und Hurten in den Wald machen, um Vorräte für den Winter zu sammeln - und die vielen Begegnungen mit den Menschen, die vielen Gespräche…  So lange ich das alles nicht mit eigenen Augen sehe werde ich träumen… Und wer weiss, vielleicht reise ich das nächste Mal nicht alleine…

 

 

 

Für das Erreichen seines persönlichen Fitnessziels ist es unerlässlich, die richtige Belastungsintensität festzulegen und diese stetig zu kontrollieren. Das Stichwort heisst: Herzfrequenzmessgeräte. Diese Pulsmesser gehören im Leistungsport zum Alltag, aber auch im Breitensport sind sie immer häufiger im Einsatz, ob beim Walking, Jogging, Biken, usw. Diese Geräte informieren Sie mit einer hohen Genauigkeit über die Belastung ihres wichtigsten Muskels - dem Herzen.

 
Die meisten Sportler kennen das Gefühl, wenn man sich nach einer Trainingseinheit unwohl und erschöpft fühlt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hat man in der roten Zone, dass heisst in einem zu hohen Frequenzbereich  trainiert. Eine zu hohe Intensität bringt keine Verbesserung der Kondition, im Gegenteil, sie kann sogar schädlich sein. Dazu etwas Theorie:

Die Gesundheitszone (50 bis 60% der MHF)

Die Gesundheitszone ist die Zone, in der lange, langsame Ausdauerbelastungen eine wichtige Rolle spielen. Sie ist unter anderem gedacht für Anfänger, in einem extrem schlechten konditionellen Zustand oder für jene, die sich einem Rehabilitationsprogramm unterziehen müssen.

Die Fettverbrennungszone (60 bis 70% der MHF)

In dieser Zone werden Sie Ihre Körperkonturen verbessern, denn die Kalorien, die Sie in dieser Trainingszone verbrennen, entstammen vorwiegend Ihrem Körperfett und nicht den Kohlehydraten. Es bedarf jedoch einer Anpassung des Körpers, der den optimalen Fettstoffwechsel erlernen muss.
Die aerobe Zone  (70 bis 80% der MHF)
Ein Training in dieser Zone verbessert Ihre Ausdauer. Wenn Sie innerhalb dieser Zone trainieren, verbessern Sie Ihre aerobe Kapazität, die Fähigkeit, Sauerstoff zu den sportspezifischen Muskeln zu transportieren und Kohlendioxid abzutransportieren.
Die anaerobe Schwellenzone (80 bis 90% der MHF)
Wenn Sie in diesem Bereich trainieren, ist der primäre Trainingseffekt die Steigerung der Fähigkeit Ihres Körpers, Milchsäure zu verstoffwechseln. Diese Fähigkeit ermöglicht es Ihnen, härter zu trainieren, ohne übermässig Laktat zu bilden und eine Sauerstoffschuld einzugehen, was schmerzhaft sein kann.
Die rote Warnzone (90 bis 100% der MHF)
Sie sollten nur in dieser Zone trainieren, wenn Sie extrem fit sind! Wenn Sie sich in der roten Warnzone befinden, haben Sie die anaerobe Schwelle überschritten, und Sie gehen eine Sauerstoffschuld ein. Das bedeutet, dass ihre Muskeln mehr Sauerstoff verbrauchen, als Ihr Körper zur Verfügung stellen kann.
Die altersangepasste Herzfrequenzformel  

Um die persönliche maximale Herzfrequenz zu bestimmen, sind genaue sportmedizinische Tests zu absolvieren. Es kann aber auch mit einer so genannten altersangepassten Herzfrequenzformel trainiert werden. Bei Unsicherheiten besprechen Sie die Trainingsintensität mit Ihrem Arzt.

Die Formel für Herren lautet: 220 – Lebensalter = maximale Herzfrequenz (MHF)

Zonen Gesund Fett Aerob Anaerob Rote Zone
Alter 50 - 60 % 60 - 70 % 70 - 80 % 80 - 90 % 90 - 100 %
18 101 - 121 121 - 141 141 - 162 162 - 182 182 - 202
20 100 - 120 120 - 140 140 - 160 160 - 180 180 - 200
22 99 - 119 119 - 139 139 - 158 158 - 178 178 - 198
24 98 - 118 118 - 137 137 - 157 157 - 176 176 - 196
26 97 - 116 116 - 136 136 - 155 155 - 175 175 - 194
28 96 - 115 115 - 134 134 - 154 154 - 173 173 - 192
30 95 - 114 114 - 133 133 - 152 152 - 171 171 - 190
32 94 - 113 113 - 132 132 - 150 150 - 169 169 - 188
34 93 -112 112 - 130 130 - 149 149 - 167 167 - 186
36 92 - 110 110 - 129 129 - 147 147 - 166 166 - 184
38 91 - 109 109 - 127 127 - 146 146 - 164 164 - 182
40 90 - 108 108 - 126 126 - 144 144 - 162 162 - 180
42 89 - 107 107 - 125 125 - 142 142 - 160 160 - 178
44 88 - 106 106 - 123 123 - 141 141 - 158 158 - 176
46 87 - 104 104 - 122 122 - 139 139 - 157 157 - 174
48 86 - 103 103 - 120 120 - 138 138 - 155 155 - 173
50 85 - 102 102 - 119 119 - 136 136 - 153 153 - 170
52 84 - 101 101 - 118 118 - 134 134 - 151 151 - 168
54 83 - 100 100 - 116 116 - 133 133 - 149 149 -166
56 82 - 98 98 - 115 115 - 131 131 - 148 148 - 164
58 81 - 97 97 - 113 113 - 130 130 - 146 146 - 162
60 80 - 96 96 - 112 112 - 128 128 - 144 144 - 160
62 79 - 95 95 - 111 111 - 126 126 - 142 142 - 158
64 78 - 94 94 - 109 109 - 125 125 - 140 140 - 156
66 77 - 92 92 - 108 108 - 123 123 - 139 139 - 154

 

 

Die Formel für Frauen lautet: 226 – Lebensalter = maximale Herzfrequenz (MHF)
 
Zonen Gesund Fett Aerob Anaerob Rote Zone
Alter 50 - 60 % 60 - 70 % 70 - 80 % 80 - 90 % 90 - 100 %
18 104 - 125 125 - 146 146 - 166 166 - 187 187 - 208
20 100 - 120 120 - 140 140 - 160 160 - 180 180 - 200
22 99 - 119 119 - 139 139 - 158 158 - 178 178 - 198
24 98 - 118 118 - 137 137 - 157 157 - 176 176 - 196
26 97 - 116 116 - 136 136 - 155 155 - 175 175 - 194
28 96 - 115 115 - 134 134 - 154 154 - 173 173 - 192
30 95 - 114 114 - 133 133 - 152 152 - 171 171 - 190
32 94 - 113 113 - 132 132 - 150 150 - 169 169 - 188
34 93 - 112 112 - 130 130 - 149 149 - 167 167 - 186
36 92 - 110 110 - 129 129 - 147 147 - 166 166 - 184
38 91 - 109 109 - 127 127 - 146 146 - 164 164 - 182
40 90 - 108 108 - 126 126 - 144 144 - 162 162 - 180
42 89 - 107 107 - 125 125 - 142 142 - 160 160 - 178
44 88 - 106 106 - 123 123 - 141 141 - 158 158 - 176
46 87 - 104 104 - 122 122 - 139 139 - 157 157 - 174
48 86 - 103 103 - 120 120 - 138 138 - 155 155 - 172
50 85 - 102 102 - 119 119 - 136 136 - 153 153 - 170
52 84 - 101 101 - 118 118 - 134 134 - 151 151 - 168
54 83 - 100 100 - 116 116 - 133 133 - 149 149 - 166
56 82 - 98 98 - 115 115 - 131 131 - 148 148 - 164
58 81 - 97 97 - 113 113 - 130 130 - 146 146 - 162
60 80 - 96 96 - 112 112 - 128 128 - 144 144 - 160
62 79 - 95 95 - 111 111 - 126 126 - 142 142 - 158
64 78 - 94 94 - 109 109 - 125 125 - 140 140 - 156
66 77 - 92 92 - 108 108 - 123 123 - 139 139 - 154

 

Alle Angaben ohne Gewähr!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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